Augengrippe – oder auch schwerster Alkohol- und Drogenkonsum?

augengrippe in der schwangerschaft

Das Foto meiner Augen ist schon ein paar Jahre alt, aber ich wollte dennoch diese Geschichte mit der Augengrippe in der Schwangerschaft festhalten. Möglicherweise ist die Geschichte für nicht Familien-Angehörige etwas unspektakulär. Ich aber weiß, dass meine Schwester und ich ein Leben lang über diese Geschichte lachen werden, weshalb ich sie unbedingt festhalten muss!!!

Ich war so im 4. Monat schwanger mit Kind Nummer 2 und wir waren gerade auf Heimaturlaub in Berlin, lebten zu der Zeit aber noch in Hong Kong. Die Augengrippe fing mit einem schmerzhaften Fremdkörpergefühl erst in einem und dann auch im anderen Auge an. Ich dachte, dass da irgendwas drin sein muss. Am nächsten Morgen wachte ich dann mit diesen Augen auf! Wir dachten zunächst, es wäre eine normale Bindehautentzündung und meine Mum brachte mir Euphrasia Augentropfen aus der Apotheke mit. Das Mittel wird auch „Augentrost“ genannt und ist ein pflanzliches Mittel bei Problemen rund ums Auge.

Als es nach zwei Tagen nicht viel besser war, habe ich mich doch mal um einen Termin beim Augenarzt gekümmert. Ich wollte in der Schwangerschaft ja auch nicht irgendwelche langwierigen Infektionen riskieren!

Vielleicht etwas übertrieben wegen einer Bindehautentzündung zum Facharzt zu gehen?

Beim Augenarzt saß ich natürlich ganz normal im Wartezimmer und als der Arzt schließlich meine Augen untersucht hat, entwich ihm ein „Oh ja, hier haben wir wirklich eine „Keratoconjunctivitis epidemica“. Sie haben eine hochansteckende Augengrippe! Die geht in Berlin zur Zeit rum. Mit wem hatten Sie zuletzt Kontakt?“

(Ich dachte nur: Ungefähr mit 100 Leuten, darunter den 15 Menschen, die im Haus meiner Eltern ein und aus gehen!).

Der Arzt weiter: „Sie müssen sehr auf Hygiene achten: Alles desinfizieren was sie angefasst haben und Kontakte zu anderen minimieren.“

(Ja, das geht gut, wenn man eine 2-Jährige zum Kindergarten fährt – sie durfte damals vorübergehend den Kindergarten der Berlin-British-School besuchen – und auch sonst in einer großen Familie lebt!)

Der Arzt im Flüsterton: „Die Patienten hat eine Keratoconjunctivitis epidemica!“

Der Arzt kam noch mit aus dem Behandlungszimmer raus und zischte den Arzthelferinnen zu, dass ich eine Keratoconjunctivitis epidemica habe. Ich sollte in einem extra Raum auf mein Rezept warten und mir wurde Desinfektionsmittel für meine Hände gebracht. Der Arzt hat mir antibiotische Augentropfen verschrieben. Eigentlich wird die Augengrippe von Viren ausgelöst. Aber weil bei einer solchen Infektion auch noch eine bakterielle Besiedlung dazukommen kann, hat er mir diese empfohlen. Und sonst abwarten (und natürlich jegliche Kontakte einschränken um eine Verbreitung zu vermeiden!).

Das gesamte Haus meiner Eltern muss bereits durch die Augengrippe-Viren kontaminiert sein!

Ich habe, bevor ich von der Diagnose Augengrippe gehört habe, sicher im ganzen Haus diese Viren verteilt, weil ich ständig meine tränenden Augen trocken gewischt und dadurch garantiert überall die Viren verstreut habe. Komischerweise hatte keiner der Familienmitglieder irgendwelche Anzeichen. Zum Glück, denn angenehm was das Ganze nicht! Eine Bekannte erzählte mir, dass ihre – ebenfalls schwangere – Tochter auch an einer solchen „Bindehautentzündungen“ leidet. Wer weiß, ob das nicht auch die Berliner Augengrippe war?!? Vielleicht waren die Schwangeren besonders anfällig?

Das witzigste Karnevals-Erlebnis meines Lebens: Dank der Augengrippe!

Ich hatte noch ein sehr lustiges Erlebnis mit diesen Augengrippe geplagten Augen. Ich kann mich noch heute darüber totlachen und auch wenn das sicher viel mit Situationskomik zu tun hat, und die Leser dieses Posts vermutlich nicht halb soviel Spaß an der Geschichte haben, wie die Beteiligten, muss ich das Geschehen an dieser Stelle mal festhalten:

Während ich aussah wie auf dem Foto oben, hatte eine meiner Schwestern, die nicht mehr zu Hause wohnte, einen Umzugskarten in ihren Keller bringen wollen und sich dabei aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Natürlich hatte sie kein Handy dabei und nur bei ihren „Asi“-Nachbarn war jemand zu Hause, wo sie netterweise das Telefon benutzen durfte. Sie klang bereits am Telefon aufgrund der Situation sehr verzweifelt, weil sie nun bei diesen Nachbar klingeln und um deren Hilfe bitten musste und bei denen in der Wohnung ausharren musste. Zur Karnevalszeit 2013 bin ich also als einzig erreichbares Familienmitglied im Schneeregen losgefahren um sie abzuholen, weil sie wohl einen Zweitschlüssel bei meinen Eltern hatte, den ich aber nicht finden konnte. Sie ist dann im T-Shirt und Hausschuhen mitsamt der Umzugskiste zu mir ins Auto gestiegen und wir waren aufgrund der Situation – erleichtert über ihre Rettung von den komischen Nachbarn und über ihr Outfit – etwas albern und haben herzlich über ihr Pech gelacht.

Und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer…

Noch immer laut über das Geschehende debattierend und lachend stand plötzlich in 300m Entfernung ein Polizist mit Kelle auf dem Kaiserdamm! „Er wird uns doch nicht rauswinken, oder?!? ODER?!?“

Und wie man sich denken kann: Er hat uns rausgewunken! Scheiße – Mausefalle am Vormittag! Auf einer großen, aber völlig unbefahrenen Straße! Wollen die uns verarschen?!? Panisch haben wir beide auf den verbleibenden paar Metern bis zum Stillstand angefangen im Auto nach dem Fahrzeugschein zu suchen. Ich saß zwar in unserem eigenen Auto, aber da wir das nur während unserer Berlin-Aufenthalte benutzten (wir lebten ja zu der Zeit noch in Hong Kong), hatte ich keinen Plan wo der Fahrzeugschein war!

Als wir dann bei dem Polizisten ankamen, habe ich gleich zugegeben, dass ich nicht weiß, wo der Fahrzeugschein ist! Ich habe aber auch angeboten, meinen Mann anzurufen um ihn zu fragen, wo er ist. Allerdings wüsste ich nicht ob er direkt antworten würde, weil sich mein Mann in Hong Kong befinden würde.

Diese Aussage hatte bereits ein Fragezeichen auf der Stirn des Polizisten erscheinen lassen und ich habe mir auch kurz überlegt, dass man manchmal einfach doch nicht immer die ganze Wahrheit sagen sollte, um Dinge nicht unnötig zu verkomplizieren!

Der Polizist schaute darauf hin ganz genau ins Auto, sah meine halbnackte Schwester mitten im Winter im T-Shirt und in Hausschuhen, einen einzelnen, offenen Umzugskarton im Kofferraum und mich mit diesen Augen. Und: Es war ausgerechnet der Tag von WEIBERFASTNACHT!

Nachdem er meinen Führerschein kontrolliert hat, den ich aufgrund irgendeiner Eingebung sogar extra noch mal geholt hatte, obwohl ich bereits ohne ins Auto gehüpft war (waren ja nur 2 km zu meiner Schwester) fragte er – uns sehr genau beobachtend:

„Haben Sie Alkohol getrunken oder Drogen konsumiert?“

Ich: „Nein!“

– keine Reaktion –

Ich daraufhin überzeugend: „Ich bin schwanger!“ (kurze Pause und wirres Nachdenken meinerseits)… „Ich habe meinen Mutterpass dabei! Wollen Sie den sehen?“

Der Polizist nach einer längeren Pause: „Was ist mit Ihren Augen? Warum sehen die so rot aus?“

Ich: „Ich habe die Augengrippe! Die geht gerade in Berlin um und die ist extrem ansteckend!“

Aufgrund dieser Konversation und der ohnehin schon merkwürdigen Situation durch diese Anzahl an unmöglichen Dingen fing meine Schwester auf dem Beifahrersitz vor Lachen an zu Prusten (wobei sie noch versuchte, das IRGENDWIE zu unterdrücken!).

Der Polizist hat uns daraufhin gefühlte 3 Minuten gemustert, und ich musste mich megamäßig konzentrieren, nicht selbst loszuprusten, weil diese Situation einfach so absurd war: Meine Schwester im Schneeregen im T-Shirt und Hausschuhen, eine völlig wahllos gepackte und offene Umzugskiste im Kofferraum, ich mit diesen Augen, die einfach nur aussahen als hätte ich gerade eine mega große Tüte geraucht oder die Nacht durchgefeiert, die Tatsache, dass Weiberfastnacht war und ganz gezielt die Frauen rausgewunken wurden und dann meine ernst gemeinten Versuche den Polizisten von meiner hochansteckenden Augengrippe zu überzeugen: Meine Schwester und ich hatten allergrößte Mühe, das laute Loslachen irgendwie zu unterdrücken!!!

Am Ende schien er tatsächlich etwas verunsichert über das Risiko der großen Ansteckungsgefahr durch die dubiose Augengrippe und antwortete, dass er meinen Mutterpass nicht sehen wollte und auch noch mal ein Auge zudrückt, dass wir den Fahrzeugschein nicht vorzeigen können. Er trat einen Meter zurück und ließ uns weiterfahren!

Das habe ich schleunigst gemacht und sobald wir nur einen Meter vom Polizisten weg waren sind wir in einen solchen Lachkrampf ausgebrochen, dass unsere Fahrt sicher ähnlich riskant war wie bei jemandem mit 0,8 Promille Blutalkohol!!! 😀

Im Nachhinein scheine ich noch eine mildere Form der Augengrippe abbekommen zu haben, weil sie relativ schnell abgeheilt ist und sich sonst auch niemand in der Familie angesteckt hat.

Aber diese Geschichte mit der Mausefalle zu Weiberfastnacht waren alle Wehwehchen dieser Infektion wert und meine Schwester und ich werden unser Leben lang an diese urkomische Geschichte mit meiner Augengrippe denken!!!

Eure Uta x

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