Das erste Schuljahr in London

Das erste Schuljahr in London - Kinder in Schuluniform

Wir haben Sommerferien und es ist Zeit, dass erste Schuljahr in London einmal Revue passieren zu lassen. Das „erste Schuljahr“ war eigentlich schon das zweite der Schnatterente. Sie geht seit September 2015 in London in die Schule. Das erste Jahr nennt sich „Reception Class“, ist vielleicht zu verstehen wie die ehemalige deutsche Vorschule, allerdings andererseits auch deutlich anspruchsvoller.

In diese doch recht anspruchsvolle Reception Class kommt jetzt übrigens im September die gerade 4 Jahre alt gewordene Kuschelmaus! Sie hat bereits im Schul-Kindergarten die Buchstaben und Zahlen lesen gelernt und schreiben kann sie auch schon einige (und alles, was sie in der Beziehung noch nicht kann, sollen wir eigentlich in den Ferien zu Hause üben). In der Reception Class geht es dann richtig mit Schreiben und Lesen lernen los. Ich wiederhole noch einmal: Sie ist gerade vier Jahre alt geworden… (*kopfschüttel*)

Wie es vor dem ersten Schuljahr war

Die Schnatterente hat ihr Reception Class Jahr in einer anderen Schule verbracht. Wir hatten leider keinen Platz in der Schule bekommen, wo sie in der Schoolnursery war und welche unsere erste Wahl war. Der Andrang war zu hoch und sie zunächst auf Wartelistenplatz 1. Hier ist die Konkurrenz um Plätze für beliebte Schulen sehr hoch.

Verschiedene Faktoren spielen bei der Platzvergabe eine Rolle:  Geschwister in der Schule haben, Kirchengemeinde-Mitglied sein (für kirchliche Schulen), „currently or previously looked after children“ (Kinder, die adoptiert oder bei Pflegeeltern sind) und die Nähe zur Schule. Das Einzugsgebiet schwankt je nach Jahr erheblich. Einzugsgebiete unter 100 m Luftlinie sind keine Seltenheit bei beliebten Schulen. Weil wir während der Wartezeit umgezogen sind, sind wir trotz Luftlinie von höchstens 100 m Unterschied direkt mal auf Wartelistenplatz 25 abgerutscht.

Hüh-und-Hott Schulwechsel standen an

Die andere Schule, wo die Schnatterente einen Reception Class Platz bekommen hat und wohin sie dann auch gewechselt hatte, war auch gut, nur sind wir beide irgendwie nie so recht angekommen. Weil ich dann gearbeitet hatte und nicht mehr oft an der Schule war, fiel es mir etwas schwer, andere Eltern kennen zu lernen. Wir hatten am Ende schon ein paar nette Familien kennengelernt, aber es war irgendwie nicht dasselbe, wie in der ersten Schule. Einfach weil das „Community Feeling“ der ersten Schule auch netter war.

Zum Glück hatte die alte Schule zwei Wochen nach Beginn der 1. Klasse – also ein Jahr später als gehofft – überraschenderweise einen freien Platz für die Schnatterente und da auch für die Kuschelmaus ein Platz in der Schoolnursery frei war, haben wir noch einmal die Schule gewechselt. War ja nur ein „zurück-wechseln“ für die Schnatterente und der ungeplante Schulwechsel machte für die Kuschelmaus keinen Unterschied, weil sie ja so oder so in eine neue Schule bzw. Kindergartengruppe kam.

Fragte man die Große zum anstehenden Zurückwechseln, wollte sie in der aktuellen Schule bleiben. Am „Kennenlernbesuch“ in der „neuen-alten Schule“ stürzten sich allerdings ihre alten Freunde sowas von euphorisch auf sie, das selbst ich total geplättet war! Sie war damals zugegebenermaßen schon sehr beliebt in der School-Nursery. Aber dass ein Jahr später auch die Mädels, mit denen wir etwas den Kontakt verloren hatten, so ein enges Knuddel-Knäul um sie herum bildeten und die Lehrerin auch nur etwas ungläubig daneben stand, war sehr rührend und bestärkte mich, den Wechsel durchzuziehen.

Aber natürlich konnten wir auch verstehen, dass es etwas komisch für die Schnatterente war, dass ihre alten Freunde und die zusätzlich in die Klasse gekommenen Kinder nun eine Klassengemeinschaft waren, wo sie sich erst einmal nicht direkt zugehörig gefühlt hatte. Das änderte sich aber schon am Ende des ersten Schultages und nach nur einer Woche bestätigten mir alle Eltern, dass es so sei, als wäre sie nie weggewesen. Und sie war sehr happy, mit ihren alten, richtig dicken Freundinnen, wieder in einer Klasse zu sein.

Was ein bisschen schwieriger war, war die Tatsache, dass sie in der Reception Class scheinbar dort ein höheres Tempo vorgelegt hatten und wir doch einiges aufholen mussten. Und dass sie etwas zurück hing, merkte auch die Schnatterente selbst und fand diesen Aspekt ziemlich doof. Ein paar Mal sagte sie aus diesem Grund auch, dass sie wieder in die andere Schule will.

Wobei man auch klar sagen muss, dass der Sprung von der Reception Class zu Year 1 in jeder Schule ein großer ist und auch die Kinder, die dort in der Reception Class waren, diesen Niveau-Anstieg deutlich gespürt haben.

Der verrückt frühe Beginn des Lernens

In England fangen sie schon sehr früh mit dem Lernen an. Wie gesagt, die Kuschelmaus ist als Sommerkind gerade mal vier geworden und muss nun anfangen, Lesen und Schreiben zu lernen und einfachere Rechenaufgaben zu lösen.

Die Schnatterente war damals (als Herbstkind (!) – wenn ich darüber nachdenke, wird mir Angst und Bange wegen dem, was nun mit der Kleinen als junges Sommerkind auf uns zukommen mag!) einfach nicht reif genug und tat sich wirklich sehr schwer mit allem. Möglicherweise spielte auch noch mit herein, dass Englisch die zweite Sprache der Schnatterente ist und vielleicht dadurch alles auch noch ein Stück anstrengender war, als für ein mono-linguales Kind.

Und ich war innerlich zerrissen zwischen „Wir leben jetzt hier in London und müssen, wie alle anderen, da durch“ und „In Deutschland würde sie die nächsten zwei Jahre einfach nur im Kindergarten spielen dürfen“. Da es dem Kind allerdings ja auch nicht gut tut, in allem immer die Schwächste zu sein, haben wir uns natürlich bemüht, sie zu Hause möglichst spielerisch zum Üben zu ermuntern. Das klappte natürlich nicht immer wie wir uns das gewünscht hätten und so gab es auch einige Tränen (inklusive Verzweiflung bei mir…).

Das erste Schuljahr in London fing holperig an

Durch den Wechsel zur alten Schule waren die ersten Monate durchzogen von immer mal wieder etwas übler Laune der Schnatterente, die sich zum Ende der Reception Class in die mittleren Lerngruppen der Klasse „gekämpft hatte“, (was völlig ausreichend ist) und dann in der „neuen-alten Schule“ in Phonics, Reading, Writing und Math wieder in den Gruppen der schwächsten Kindern war. Außerdem war es extrem viel, was wir zu Hause machen mussten:

Drei Bücher mussten wir pro Woche zu Hause lesen, die schon zu Beginn über 20 Seiten und sicher mindestens 300 Worte lang waren (Mittlerweile sind die Bücher so lang, dass trotz deutlich flüssigerem Lesen nur selten ein Buch in einem Rutsch zu Ende gelesen wird). Über eine Mathe App stellte die Lehrerin wöchentlich zwei Tasks online, die jeweils 10 Aufgaben beinhalten. Eine Liste mit 100 High Frequency Words wurde ausgegeben und man sollte die Liste zu Hause üben. Jeden Freitag wurden diese Wörter in einem Spelling Test überprüft.

Nach Weihnachten kam dann noch eine schriftliche Englisch-Hausaufgabe dazu, wo man gerne mal 1-2 DIN 4A Seiten schreiben musste. Dabei ist uns dann erstmal bewusst aufgefallen, wie uneinheitlich und teilweise falsch die Schnatterente die Buchstaben schreibt und so stand dann auch noch Schreiben-Üben zwecks Handschrift-Verbesserung auf unserem Wochenplan. Und das ganze Programm zu Hause musste neben der Schule, die von 8:45 – 15:20 Uhr geht, stattfinden. Und die Stunden in der Schule sind natürlich auch kein Zuckerschlecken und insbesondere gegen Ende der Woche kommen die Kids ganz schön ko dort raus!

Ich hätte nie erwartet, schon im ersten Schuljahr mit einem Kind so viel zu Hause machen zu müssen! Auch weil ich mich nicht daran erinnere, dass meine Mutter viel mit mir machen musste. Irgendwie habe ich meine Hausaufgaben immer alleine gemacht und erst später hat meine Mutter mit mir Diktate geübt oder noch später, Vokabeln abgefragt…

Wie wird dann wohl Year 2?!?

Am Ende von Year 1 können wir zusammenfassen, dass die Schnatterente es geschafft hat, den während des Reception Jahres verpassten Stoff aufzuholen und alle Erwartungen von Year 1 zu erfüllen. Es gab eine Art Zeugnis, und dort sieht man eben genau das: Erwartungen übertroffen, erfüllt, oder nicht ganz erreicht. Ich bin persönlich ja ganz froh, dass wir sie am Ende alle erfüllt haben und damit sowas wie ein Mittelmaß erreicht haben!

Und ich bin schon sehr gespannt auf das kommende Schuljahr: Die zweite Klasse für die Schnatterente und die Reception Class für die Kuschelmaus. Ich hoffe nur, dass unser neues Au Pair Spaß daran hat, unter der Woche auch ein wenig Hausaufgaben mit den Kids zu machen. Nur am Wochenende alle Hausaufgaben durchzuziehen, ist nämlich echt richtig ätzend für alle Beteiligten!

Eure Uta x

 

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