Der Schlüssel zum Glück?

186 schlüsselDas ist er nun! Der Schlüssel für unser erstes Eigenheim in London! Wär hätte vor 15 Jahren, als der Ordnungshüter und ich uns bei der ersten Uni-Party in Passau kennenlernten oder vor auf den Tag genau 9 Jahren, als wir nach langer Zeit des „sehr-gute-Freunde-seins“ alla „tausend-Mal-berührt-tausend-Mal-ist-nichts-passiert“ zusammengekommen sind, gedacht, dass wir einmal ein Haus in London unser Eigenheim nennen würden! Mit Sicherheit die wenigsten – wir eingeschlossen 😉 Nach diesem bescheidenen Geschenk zum 9. Jahrestag mache ich mir am besten schon einmal Gedanken darüber, was ich mir nächstes Jahr zum 10 Jährigen Jahrestag wünsche 😉

Der Weg zum Eigenheim in London

Es hat wirklich lange gedauert, bis wir in unserer Gegend ein Haus gefunden haben, das uns gefällt UND das wir uns leisten können! Und dass, obwohl hier vergleichsweise sehr viele Häuser verkauft werden. Bei den Engländern, bei denen ein viel größerer Anteil als in Deutschland kauft statt zu mieten, herrscht die Devise: Wir kaufen nach unseren aktuellen Bedürfnissen. Wenn sich diese ändern, kaufen wir ein zweites und auch ein drittes Mal.

Insbesondere ziehen Familien gerne Schulen „hinterher“. Sobald einmal die Kinder in der Schule der ersten Wahl sind, bleiben sie auf dieser Schule, auch wenn die Familie weiter weg zieht. Vor allem wenn es dann Richtung Secondary School des ältesten Kindes geht, steht oft ein Umzug an, damit das Kind und alle folgenden Geschwister auch in eine gute Secondary Schule reinkommt. Da wir hier 2 sehr gute Church of England Grundschulen haben (manche behaupten, dass nur die kirchlichen Schulen vernünftigen öffentlichen Schulen sind, auf die man die Kinder schicken kann, wenn man nicht eh privat gehen will) ist die Gegend geprägt von Familien mit Kindern im Grundschulalter und alles darunter.

Wir haben ungefähr vor einem Jahr angefangen, uns Häuser anzuschauen. Zu der Zeit war es wirklich so, dass wenn ein nettes Haus in Schulnähe zum Verkauf stand, es passieren konnte, dass bereits ein sogenanntes „Offer“ auf dem Haus war, obwohl es gerade erst im Internet zum Verkauf veröffentlicht wurde. Ein Makler hat mir sogar mal erklärt, dass er ein „full asked price Offer“ bekommen hat, obwohl der Interessent das Haus noch nicht einmal gesehen hat! Diese Offers sind allerdings in keiner Weise „bindend“, aber man verliert sicher etwas an Glaubwürdigkeit, wenn man nicht ernst gemeinte Offer abgibt. Man bekundet durch das Offer sein Kaufinteresse und nennt den Preis, den man zu zahlen bereit ist. Der Verkäufer kann das Offer dann annehmen oder nicht (accept/ not accept). Wenn das Offer allerdings akzeptiert wird, wird es schon ernst. Also man sollte nicht einfach nur so mal ein Offer abgeben ohne es wirklich ernst zu meinen!

Anfang letzten Jahres lagen in unserer Gegend die Preise, die für Häuser am Ende bezahlt wurden, oft über dem Preis, den der Verkäufer ursprünglich haben wollte! Die Nachfrage war einfach so groß und es war für Käufer leicht, an (hohe) Kredite zu kommen. In den meisten Fällen verkauft der Interessent gleichzeitig sein kleineres Haus oder Apartment und steigt damit eine Stufe auf der „Property-Leiter“. Die Kreditvergabe hat in England Jahrzehnte lang deutlich anders funktioniert, als in Deutschland: In England war möglich, sich eine Wohnung oder Haus zu kaufen und nur 5% oder 10% Eigenkapital mitzubringen. In Deutschland würde einem jede Bank einen Vogel zeigen und den Kredit als viel zu riskant einstufen!

Die Preise in England und insbesondere in London steigen seit Jahren mit schwindelerregender Tempo. Selbst die Bankenkrise hat nur einen kurzen Dämpfer verursacht. Häuser, die vor 8-10 Jahren gekauft wurden, sind heute nicht selten mehr als das Doppelte wert! Verrückt!

Die Bank als Wackelkandidat

Scheinbar hat auch die Bank of England gemerkt, dass das so mit den Immobilienpreisen nicht weitergehen kann (das Wort: Immobilien-Blase hört man hier schon auch ab und zu mal!) und sie hat einen Änderung bei der Kreditvergabe eingeführt: Die Kriterien für die Kreditvergabe wurden ab Mitte 2014 deutlich strenger. Und das hat dann auch uns getroffen! Wenn man einen Kredit haben möchte, gibt man alle seine Angaben online bei den Banken in ein Formular ein und bekommt am Ende einen Kreditbetrag ausgespuckt, den die Bank vergeben würde.

So ganz genau wissen wir auch nicht den Grund, weshalb dieser automatisch kreierte Betrag bei uns letztendlich so weit von dem Betrag abgewichen ist, den die Bank uns am Ende zur Verfügung gestellt hat. Es war wirklich ein auf und ab und der Ordnungshüter hat locker 4 Wochen lang täglich mit der Bank telefoniert, immer einen anderen Mitarbeiter dran gehabt und jedesmal kam am Ende ein anderer Kreditbetrag raus. Und das waren nicht 2,5 € Unterschied sondern ein hoher 5-stelliger Betrag, den der eine Mitarbeiter mehr und der andere plötzlich weniger vergeben hätte!!! Ziemlich nervig, weil der ganze Hauskauf je nach Mitarbeiter, den der Ordnungshüter gerade am Telefon hatte, auf sehr wackeligen Beinen stand!

Und das haben nicht nur wir erfahren. Unser Haus war zuvor bereits „under offer“ aber die Interessenten haben ihren Kredit nicht bewilligt bekommen. Das war unser großes Glück, weil die Verkäufer bereits ein neues Haus gekauft hatten. Um unser Haus schnell zu verkaufen haben sie im zweiten Anlauf einen deutlich niedrigeren Kaufpreis angesetzt (und wir konnten den Preis noch ein wenig mehr drücken). Aus Gesprächen mit Maklern und durch die Verkaufsschilder, die ja an jedem zu verkaufenden Haus stehen, kann man ebenso den Schluss ziehen, dass es vielen derzeit nicht gelingt, das Geld von den Banken zu bekommen. Wenn nämlich ein Haus „under offer“ ist, wird das auf dem Verkaufsschild auch vermerkt und wenn aus einem „under offer“ plötzlich wieder ein „for sale“ wird, gehen wir davon aus, dass es in einigen Fällen an den Banken liegt, die plötzlich nicht mehr so locker Kredite rausgeben.

Nach vielen aufregenden Telefonaten mit der Bank, einem Gutachten über das Haus, dass zwar einen dem Alter des Hauses entsprechend guten Zustand bestätigte, aber dennoch auch einige Dinge offenbarte, die gemacht werden müssen und einem last-minute-Poker, was den Preis angeht, haben186 queens road wir nun also die Schlüssel und werden nächste Woche in das neue – 100 Jahre alte edwardian – Eigenheim einziehen! Wir haben uns in unserem Mietshaus zwar auch sehr wohl gefühlt. Nun freuen wir uns aber sehr auf mehr Platz, weniger steile Treppen, einen größeren und weniger einsichtigen Garten und darauf, endlich mit den Kids auf der selben Etage zu schlafen!

Falls es hier und auf meinen Social Media Kanälen etwas ruhiger wird, liegt das am Umzug und allem, was so dazu gehört.

 

Eure Uta x

2 Gedanken zu „Der Schlüssel zum Glück?

  1. Herzlichen Glückwunsch! Da komme ich wohl zu spät, uns als potentielle house sitter anzubieten 😉
    Ich wünsche Euch jedenfalls gute Nerven und dann ein fröhliches Einleben im neuen Zuhause! Sieht toll aus!

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