Erfahrung mit der 111 NHS Hotline

Die erste Hilfe Telefonnummer der NHS 111

Nachdem die Kuschelmaus ja schon Ende vorletzter Woche mit einem gerissenen Trommelfell zu tun hatte und zusätzlich auch noch ein störender Schnupfen dazu kam, fing sie am Montag auch noch mit Durchfall und Spucken an! Und das ausgerechnet in einer Arbeitswoche, die für mich sehr wichtig war! Rückblickend betrachtet, konnte man die Anzeichen für den Magen-Darm-Virus allerdings erkennen. Ich habe nämlich bei meinen Mädels das Gefühl, dass sie – sobald sie mit einem Magen-Darm-Virus in Kontakt kommen – noch mal so richtig ordentlich Futtern! Ist das bei euch auch so? Die Kuschelmaus hat sich jedenfalls am Sonntag eine riesen Portion Lachs reingehauen – da haben wir uns schon gewundert, wo das alles hingeht. 🙂

Der ganze Montag, an dem ich ausnahmenweise nicht arbeitete, war dann schon von wenig Appetit geprägt und die erste Ladung Durchfall kam gegen Abend. Ich habe da allerdings noch auf das Antibiotikum getippt, das ihr der Arzt, von dem ich ja wie berichtet nicht so begeistert war, wegen dem Ohr verschrieben hat. Als sie nach einer halben Stunde im Bett allerdings etwas hysterisch nach „MAMAAAAAAAA“ schrie, war ich über das vollgespuckte Bett nicht sonderlich überrascht!

So richtig blöd war, dass dieser 2-Jährige kleinen Trotzköpfe zu groß ist, um sich bei den folgenden Spuck-Schwallen ohne Widerstand eine Schüssel unterhalten zu lassen! Das fand die Kuschelmaus nämlich total blöd und die Schüssel wurde vehement weggestoßen und so war ich die nächsten zwei Stunden beschäftigt, bei Spuckattacken die allergrößte Schweinerei zu verhindern und zwischen der Kotzerei Klamotten, Bettzeug und Handtücher auszuwechseln, für Nachschub zu sorgen und die Waschmaschine zu be- und entladen! Das allererste Mal war zu dem Zeitpunkt der Ordnungshüter nicht da (sonst war das Timing meiner Mädels immer perfekt, was das anging, und er machte seinem Namen alle Ehre und wischte, und wusch aus und befüllte die Waschmaschine während ich nur das Kind zu säubern hatte 🙂 )

Naja, wir haben das irgendwie auch alleine hinbekommen…

In der Nacht wurde noch ein paar Mal gespuckt oder die Windel vollgemacht und Klamotten gewechselt, aber gegen 3 Uhr war dann mal etwas Ruhe. Am Dienstag habe ich entschieden, Homeoffice zu machen. Und was soll ich sagen: Im Gegensatz zu meiner ersten eher negativen Homeoffice-Erfahrung, konnte ich dieses Mal super arbeiten: Die Kuschelmaus lag mehr oder weniger den ganzen Tag einfach nur platt auf meinem Bauch und ich hatte beide Hände frei um am PC zu arbeiten. Sogar eine einstündige Videokonferenz ging mit komatösem Kind auf dem Arm absolut problemlos! Da die Schnatterente nach dem Kindergarten mit Freunden unterwegs war, wurde ich auch nicht von ihr abgelenkt. Das Spucken hatte über den Tag aufgehört, weshalb ich auch Mittwoch wieder ins Büro ging. Unerwarteter Weise hat sie doch am Mittwochabend nach 1,5 Tagen ohne Spucken, wieder gespuckt, so dass mein Plan, ihr das Antibiotikum gegen die Ohrentzündung zu Ende zu geben, durchkreuzt wurde.

Auf Twitter haben mir ein paar liebe Mamas den Rat gegeben, nicht einfach mit dem Antibiotikum aufzuhören, bevor ich nicht mit einem Arzt gesprochen habe. Weil ich am nächsten Tag kein Homeoffice machen konnte (das hat dann allerdings hört hört(!) der Ordnungshüter gemacht), konnte ich also auch nicht zum Arzt gehen.

Und dann fiel mir ein, dass es ja da vom NHS diese Telefonnummer gibt, die man rund um die Uhr anrufen kann, wenn man medizinische Hilfe braucht, aber kein 999 – also richtiger Emergency-Notfall ist. So habe ich also erstmals die 111 angerufen. Ein netter Mann mit sehr ruhiger Stimme, der definitiv medizinisch geschult war, antwortete. Ich habe ihm kurz die Situation erklärt: Mittelohrentzündung samt Antibiotikum und nun Magen-Darm-Virus. Und dass ich mich absichern wollte, keine Resistenzen zu fördern, wenn ich das Antibiotikum jetzt nicht mehr weiter gebe, weil das den Durchfall ja sicher noch verstärken würde und ich es sowieso nicht in sie reinbekomme (trotz des leckeren Bananen-Geschmacks!).

Obwohl ich ganz offensichtlich kein Fall war, wo Lebensgefahr drohte, musste der Mann dem Protokoll folgen und mich x Dinge abfragen, die ich alle verneinen konnte: Atemprobleme, blaue Gesichtsfarbe, blutiger Auswurf oder Stuhlgang, Besinnungslosigkeit, hohes Fieber, usw. Zugegebener Weise habe ich diesen Anruf ja auch ein wenig aus Neugier gemacht und nach dieser Fragenbatterie befürchtete, dass ich bzw. die Kuschelmaus auf irgendeinem Radar landet, wo wir so einfach nicht mehr rauskommen. Es kam dann auch gleich der Vorschlag, die Kuschelmaus in der Abendpraxis einem Arzt vorzustellen!

Ich: Nee sorry, ich habe da noch ein zweites schlafendes Kind, dass ich schlecht wecken und mitschleppen kann.

Er: Ok, dann könnte er einen Anruf eines Arztes anbieten.

Ich: ja – das hört sich gut an!

Ich sollte in Telefonnähe bleiben und auf den Rückruf warten und natürlich sofort die 999 wählen, wenn sich der Zustand der Kuschelmaus verschlimmerte. Ok, noch mal Glück gehabt – wir müssen also nicht hinkommen und können stattdessen einfach auf den Anruf warten. 3 Minuten nach dem Auflegen rief eine Dame vom NHS an, die sich noch mal versicherte, dass der Zustand der Kleinen stabil ist und dass sich ein Arzt melden wird und ich die Telefonleitung freihalten soll.

Und auch nur ca. 10 Minuten später rief ein sehr netter, indischer Arzt an. Ihm musste ich diese ganzen Fragen noch einmal beantworten, aber dann kamen wir auch schon schnell zur eigentlichen Situation. Etwas tricky, wie er selbst festgestellt hat. Er hat sich eher Sorgen um den Magen-Darm-Virus und die Gefahr zu Dehydrieren gemacht, als meine Sorge zu verstehen, durch die Nicht-Weitergabe der Antibiotikums Resistenzen zu züchten. Er wollte auch am liebsten, dass wir noch vorbeikommen. Aber das konnte ich abwenden. Und er ist dann auch noch genauer auf das Antibiotikum eingegangen und hat nachgerechnet, wie lange sie es genommen hat etc. Er ist zum Entschluss gekommen, dass die Kuschelmaus ausreichend Antibiotikum bekommen haben müsste und ich es ihr nicht reinquälen muss. Insgesamt haben wir 12 Minuten telefoniert und es war eine viel bessere und ausführlichere Konsultation als ich sie in den meisten Fällen in unserer GP-Praxis erlebt habe. Im Übrigen hat er gemeint, dass sie bei Mittelohrentzündungen kein Antibiotikum geben (also „sie“ in dem Krankenhaus wo er arbeitet nehme ich an). Also kann ich davon ausgehen, dass meine Kinder hier nicht jedes Mal Antibiotikum verschrieben bekommen werden, wenn sie etwas an den Ohren haben, bzw. weiß ich, dass es auch hier anders geht und kann darauf bestehen, erst einmal ohne zu probieren (falls ich beim nächsten Mal überhaupt zum Arzt gehe…).

Alles in Allem war ich jedenfalls begeistert von der Hilfe über die 111 Nummer und sehr froh, dass ich diese angerufen habe, anstatt mir irgendwie frei zu schaufeln um dann zur GP-Praxis-meines-(Miß-)-Vertrauens zu gehen und mich hinterher zu ärgern, dass ich mir das auch hätte sparen können!

Um das Ganze übrigens noch zu toppen, hat die Kuschelmaus nun am letzten Wochenende einen fiesen Ausschlag über den ganzen Körper bekommen! Er schien sie relativ wenig zu stören und ebenfalls über Twitter haben einige Mamas und ich gerätselt, ob es eine Antibiotikum-Allergie oder die Nesselsucht sein könnte. Da ich am Wochenende selbst mit Durchfall im Bett lag und am Montag noch ziemlich schlapp zu Hause blieb, konnte ich den Ausschlag einem Arzt zeigen und wir hatten Glück: Wir kamen zu der sehr jungen und sehr motivierten „Locum“-Ärztin, die sich die Schichten der Woche mit anderen Ärzten teilt. Ich war schon einmal bei ihr und sie ist wirklich super nett und nimmt sich auch Zeit! Sie hatte den Verdacht, dass die Schnatterente am Ausschlag des Drei-Tage-Fiebers litt. Daran hatte ich auch schon gedacht, weil sie am Tag vor dem Ausschlag ein wenig Temperatur hatte. Allerdings nicht besonders hoch, sonst hätte ich mal nachgemessen. Interessanterweise fiebern meine Kinder allerdings nie sehr hoch, von daher kann es gut sein, dass die Ärztin richtig liegt und ich das Fieber vom Drei-Tage-Fieber gar nicht so richtig mitbekommen habe.

Eines kann ich allerdings definitiv bestätigen: Die Kuschelmaus hatte gestern wieder ihre „Post-Fieber-Laune“ und hat NUR Mist gemacht!!! Weil ich wenigstens ein bißchen was arbeiten wollte, hat mich das so gestresst, dass ich heute wieder mit allergrößter Freude ins Büro „geflohen“ bin, auch wenn sich dort vielleicht nicht jeder gefreut hat mich zu sehen, weil sich wohl keiner mit dem Tummy-Bug anstecken wollte 😉

Eure Uta x

 

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