Geburtsbericht von Baby Nummer 3

Berlondon Mama mit Neugeborenem

Die Geburt unseres Sohnes ist nun gut 6 Wochen her. Seine Geburt ist die erste, bei der ich einen Geburtsbericht aufschreibe. Grundsätzlich lief die Geburt recht reibungslos, und dennoch gab es ein paar Besonderheiten, die ich einmal festhalten möchte. Vielleicht liest das ja mal jemand, der unter der Geburt Ähnliches erlebt hat. Dann freue ich mich natürlich über ein Kommentar!

Rückblick: Die „Krankenhausgeburt“ der Großen in Frankfurt

Die Schnatterente kam 2010 in Frankfurt in einem großen Krankenhaus zur Welt. Losgegangen ist es damals mit einem Blasensprung morgens im Bett am ET+1. Dann ging es natürlich gleich ins Krankenhaus und dort die Ernüchterung: keine Wehen in Sicht – über Stunden.

Verschiedene sanfte wehenanregende Mittel führten zu leichten Wehen am Abend. Am späten Abend nahm die Intensität deutlich zu. Ebenso ZU blieb aber auch der Muttermund. Daher folgte ein straffes Programm:

Verschiedene Globolis und Tees, ein Einlauf, Badewanne und gleich wieder raus wegen nachlassender Wehen, PDA, Blasenkatheter, Wehentropf… Nach einiger Zeit Erholung dank PDA, kam am frühen Morgen die neue Hebamme mit frischem Elan, riss die Vorhänge auf und drehte die PDA zurück. Irgendwann hieß es: Jetzt mitpressen! Eine auf den Oberbauch drückende Ärztin, eine weitere unten einen Dammschnitt machende Ärztin, die beinahe noch zur Saugglocke greifen musste, halfen am Ende der Schnatterente auf die Welt.

Die Schnatterente kam gesund und munter über 24 Stunden nach Blasensprung auf die Welt.

Geburt der 2. Tochter

In der Schwangerschaft mit der Kuschelmaus in Hong Kong berichtete mir eine Freundin über die einfache Hypnobirthing Geburt ihres ersten Kindes. Ich lieh mir ihr Hypnobirthing Buch aus und erst da fing ich an, mich über die große Fremdbestimmung und „ver-kranken-hausung“ der ersten Geburt zu ärgern.

So habe ich bewusst für die Geburt der Kuschelmaus ein sehr auf natürliche Geburten bedachtes anthroposophisches Krankenhaus in Berlin ausgesucht – Havelhöhe – wo eine liebe Freundin arbeitet, die allerdings nur manchmal bei Not-Kaiserschnitten als Chirurgin dabei ist. Also bitte nicht bei mir…

An einem sehr heißen Tag im Juli gingen die Wehen nach einer Runde Schwimmen im Glienicker See bei ET+6 langsam los. Ich wollte schon zu früh Richtung Krankenhaus aufbrechen und so wurden wir dort noch eine Weile spazieren geschickt. Aber irgendwann wurden die Wehen von alleine stärker und trotz meiner Vorbereitung mit Hypnobirthing (allerdings ohne anleitenden Geburtshelfer, weil mein Mann von dem „Hokuspokus“ nichts hält), hatte ich sehr schmerzhafte Wehen und musste für eine zweite Spontangeburt wirklich viele Stunden „arbeiten“, wie hinterher auch die Hebamme sagte.

Das Hypnobirthing habe ich recht schnell aufgegeben, weil es mir irgendwie nicht geholfen hat. Interessanterweise bin ich trotz wahnsinniger Hitze stundenlang bei jeder Wehe an der Sproßenwand hängend in eine gespreizte Hocke gegangen um dem Baby Platz zu verschaffen, wobei mit abwechselnd der Mann oder die Hebammenschülerin Luft zugefächelt haben.

Die ganze Zeit war ich irgendwie in Action und am Ende kam die Kleine nach vielen Stunden ganz natürlich auf die Welt. Sie war top fit und weil ich auch nur kleine Geburtsverletzungen hatte, konnten wir nach 3 Stunden wir nach Hause. Dort wartete bereits die knapp 3-Jährige Schwester sehnsüchtig bei meinen Eltern und es trudelte gleich der Großteil der Familie ein, um die neue Enkeltochter, Nichte bzw. Cousine zu begrüßen.

Die Geburt vom dritten Kind

Nach der sehr positiven Erfahrung der ganz natürlichen Geburt der Zweiten wollte ich unseren Sohn auch in Havelhöhe bekommen und habe im Vorfeld alles arrangiert, dass ich trotz englischer Krankenversicherung das Baby in Berlin bekommen kann.

Mein Mann und ich fuhren rechtzeitig vor dem errechneten Termin mit dem Auto nach Berlin. 9 Tage später kamen die Mädels nach, die noch Schule hatten und in der Zwischenzeit von meiner Schwester und meinem wieder zurück geflogenen Mann in London betreut wurden. Als wir in Berlin wiedervereint waren, wurde ich ab erreichten Endtermin irgendwie ungeduldig: Es war schon wieder sehr heiß und die Schwangerschaft inklusive der Stützstrümpfe zum Ende hin nervig.

Wir warteten und warteten und die geplanten freien Tage vom Mann wurden weniger je länger die Geburt auf sich warten ließ und ich wollte das Würmchen auch einfach nur in den Armen halten. Außerdem hatte ich Angst vor einem sehr großen Baby je länger er übertragen wurde, denn bekanntlich sind Jungs ja doch oft sowieso kräftiger. Und meine Mädels waren auch nicht gerade Fliegengewichte…

Also bin ich ein paar mal schwimmen gegangen, den Teufelsberg hoch und runter gelaufen, habe Himbeerblättertee getrunken und so weiter.

Leichte Wehen hatte ich immer mal phasenweise aber es war klar, dass die nicht viel bewirken konnten. Bei ET+2 bot mir der Frauenarzt an, dass er eine Eipollösung machen könnte, da der Muttermund weich war. Aber so einen Eingriff fand ich bei nur 2 Tagen über Termin dann doch verfrüht.

Bei ET+6 bin ich dann noch einmal 400m schwimmen gegangen. Es ging allerdings nur noch Kraulen, weil mir die „Froschbeine“ beim Brustschwimmen im Schambereich etwas weh tat (ist das die Symphyse?).

Kaum waren Abends die Kids ins Bett verfrachtet, wurde der harte Bauch schmerzhafter und recht regelmäßig. Das ging über 3-4 Stunden so und weil ich mir beim 3. unsicher war, wie schnell der Muttermund aufgeht, sind wir gegen Mitternacht ins Krankenhaus gefahren.

Allerdings hatte sich noch nicht viel am Muttermund getan und bevor wir irgendwelche verstärkenden Maßnahmen mitten in der Nacht einleiteten, empfahl die Hebamme, noch mal nach Hause zu fahren und zu versuchen zu schlafen.

Das taten wir dann auch etwas peinlich berührt, dass ich selbst beim 3. Kind zu früh ins Krankenhaus bin 😉

Nachdem ich tatsächlich noch mal 2 Stunden halbwegs geschlafen habe, wurden die Wehen deutlich stärker und auch wenn ich noch nicht das Gefühl hatte, dass ich dringend los muss, haben wir uns gegen 6:30 Uhr entschieden, wieder nach Havelhöhe zu fahren. Ich wollte auch lieber die Kinder nicht mit Wehen verabschieden, weil ich befürchtete, dass sie sich Sorgen machen, wenn es Mama offensichtlich nicht so gut geht.

Wir machten also schnell noch ein Abschiedsfoto von mir für die Mädels (das furchtbar aussah!) und druckten es mit unserem neuen Handyfoto-Drucker aus, den wir für die Hochzeit meiner Schwester angeschafft hatten. Eine echte Spielerei zugegebenermaßen, aber viel cooler als herkömmliche Polaroids, weil man eben auswählen kann, ein Foto zu drucken oder eben nicht. Beiden Mädels haben wir jedenfalls ein Bild von mir aufs Bett gelegt, haben meiner Mutter bescheid gesagt und sind los. Sie waren ja vorbereitet, dass ich irgendwann ins Krankenhaus muss und daher fuhren wir ruhigen Gewissens.

Nach einem Fehlalarm ging es doch los

Einen Unterschied zwischen den Wehen am Vorabend und denen ab früh morgens war, dass nicht nur die Intensität der Wehen ansich stärker war, sondern ich dazu auch bei jeder Wehe ordentliche Schmerzen in den vorderen Muskeln beider Oberschenkel hatte. Das war wirklich ziemlich unangenehm.

„Scheiße, meine Oberschenkel!“ hörte mein Mann definitiv einige Male!

Der Weg vom Parkplatz zum Kreissaal war durch einige Wehen-Stopps unterbrochen und meine Oberschenkel taten immer mehr weh. Ich fand das zu dem Zeitpunkt fast unangenehmer als die Schmerzen rund um die Gebärmutter.

Im Kreissaal angekommen durfte ich dieses Mal bleiben und trotz der doch schon kräftigeren Wehen im 3 Minuten Abstand, hatte sich bis dato nicht viel mehr am Muttermund getan :-/

Um 8 Uhr wanderten wir noch gemeinsam zur Anmeldung und weil es wegen meiner etwas „ungewöhnlichen Versicherungslage“ als NHS Patient mit Erlaubnis in Deutschland zu entbinden, etwas kompliziert war, hat die Anmeldung gefühlt ewig gedauert und ich klinkte mich immer mal wieder, von starken Wehen überrollt, aus dem Anmeldegeschehen aus. Das lange Prozedere inklusive Rückfragen bei Kollegen tat der Angestellten auch ziemlich leid. Zum Glück war noch wenig Betrieb dort: Ich finde es eher unangenehm, in der Öffentlichkeit Wehen zu veratmen…

Ich war sehr froh, als wir irgendwann fertig waren und mit erneut vielen Stopps, auch den kurzen Weg zurück in den Kreissaal geschafft hatten.

Ab da lag ich nur noch platt auf dem Bett – ich war völlig kraftlos und konzentrierte mich nur auf das Hypnobirthing in den Ohren. Während der Schwangerschaft habe ich mich kaum aufs Hypnobirthing vorbereitet, wie man das ja eigentlich machen sollte. Nur eine Entspannungsübung habe ich phasenweise nachts gehört, wenn ich nicht schlafen konnte. Die half mir sehr gut wieder einzuschlafen.  Unter den Wehen habe ich allerdings nicht die bekannte Entspannungsanleitung gehört, sondern die „Birth Affirmations“ – in meinem Fall habe ich sie auf Englisch. Das ist einfach eine unendlich lange und sehr ruhige Aufzählung von kurzen Sätzen, die einem Sicherheit während der Geburt geben sollen.

Obwohl ich diese Affirmationen immer wieder von vorne angestellt habe und ich jede einzelne zig mal gehört haben muss, könnte ich aus der Erinnerung nicht viel mehr als 2 oder 3 der bestimmt 20 verschiedenen wiedergeben. Und das definitiv nur sinngemäß und nicht im Wortlaut. Ich glaube im Nachhinein, dass ich mich durch diese Affirmationen tatsächlich in einen Trance-ähnlichen Zustand versetzt habe.

Ich muss ca 1,5 Stunden oder etwas mehr mit starken Wehen so auf dem Bett verbracht haben, ohne mich bewegen zu können. Ich war einfach nur unendlich schlapp. Wenn ich mir überlege, wie aktiv ich bei der zweiten Geburt in demselben Kreissaal rumgeturnt bin, war das an dem Tag völlig unvorstellbar.

Bis die Fruchtblase irgendwann platzte, war ich nicht wirklich anwesend und kann mich auch nur an wenig erinnern: Nur diese unendliche Schlappheit und die schmerzenden Oberschenkelmuskeln sind hängengeblieben. Das dick-grüne Fruchtwasser und das „Sauberlegen“ brachte mich dann aber wieder etwas in die Gegenwart, wobei ich hinterher auch noch mal mit Hilfe der Affirmationen „weggedöst“ sein muss.Berlondon Mama im Kreissaal

Völlig überrascht und überwältigt wurde ich dann nämlich von den Presswehen, die ich mit der Intensität noch bei keiner Geburt gespürt hatte. Etwas panisch sagte ich zu meinem Mann, das grad „irgendwas passiert“, das Baby kommt oder sonst was und er die Hebamme holen soll. Die kam gerade eh wieder herein und war selbst etwas überrascht von den Presswehen und bereitete ganz schnell alles fürs Baby vor.

An die Situation, dass sie mir sagte, dass ich in den Vierfüsslerstand gehen soll und ich immer wieder nur sagte, „Ich kann nicht, ich hab keine Kraft, ich komme nicht hoch“, erinnere ich mich wieder ziemlich genau. Mein Mann und die Hebamme motivierten mich, und mit gefühlt meiner allerletzten Kraft konnte ich mich an einem runterhängenden Seil hochziehen und in den Vierfüssler drehen. So wurde dann auch wenige Presswehen später unser Sohn geboren. Interessanterweise war sofort hinterher meine Schlaffheit sofort weg und ich konnte endlich das Kuscheln – mit leicht grünlich-angekackerten Baby – in vollen Zügen genießen 🙂

Resümee dieser merkwürdigen Geburt

Mir ist es nach wie vor ein Rätsel, warum ich mich unter der Geburt so kraftlos gefühlt habe und es ist ein Wunder, dass offensichtlich trotz dieses Zustandes die Geburt sehr schnell voran ging und nach außen völlig unkompliziert war. Meine Oberschenkelmuskeln haben auch bei den Nachwehen noch geschmerzt, wobei ich insgesamt die Nachwehen als sehr leicht empfunden habe.

Ob mein Zustand vielleicht irgendetwas mit der Infektion zu tun hatte, die ich dem Neugeborenen offensichtlich schon vor der Geburt mitgegeben habe und über die ich später noch berichten werde, oder ob das durch das Hypnobirthing kam oder verstärkt wurde, konnte mir bisher auch niemand sagen.

Die starken Oberschenkelmuskelschmerzen schob eine Frauenärztin darauf, dass ich lange sehr viel Magnesium nehmen musste, um keine Krämpfe zu bekommen, und ich das Magnesium in den Tagen vor der Geburt doch deutlich reduziert hatte. Ich hatte ab ET keine Lust mehr auf mein leichtes Sportprogramm mit Fahrradergometer und ein paar Übungen mit Gewichten (vielleicht wegen der Infektion?) und brauchte es daher nicht mehr.

Berlondon Mama macht hochschwanger Sport

Was an meiner „Hypnobirthing“-Geburt auch noch sehr interessant war war die Tatsache, dass ich direkt nach der Geburt meinte, dass das irgendwie leicht ging und ich das auch noch mal machen könnte. Trotz der Schmerzen, die ich definitiv auch wahrnahm.

Wenn sich jemand mit Hypnobirthing und/oder der im Bauch weitergegebenen Infektion, der Schlappheit und dem dick grünen Fruchtwasser auskennt und hier Zusammenhänge erkennt, bitte melden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.