„Heimweh“

 

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Um das kurz vorweg zu nehmen: Der Titel dieses Beitrags betrifft eigentlich nicht mich. Ich bin zwar unheimlich gerne in Berlin bei meiner Familie, aber ich bin vielleicht doch schon zu lange weg aus Berlin und auch schon zu „erwachsen“ um so richtig Heimweh zu haben. Telefonieren und Skypen ist für mich über längere Zeit in Ordnung. Nichts desto trotz wünsche ich mich in einigen Situationen nach Berlin, vor allem, wenn die Mädels eine schlechte Phase haben und meine Nerven etwas blank liegen. Dann wäre es manchmal wirklich schön wenn man die Streßköppe mal für zwei Stunden bei der Oma oder einer der zahlreichen Tanten parken könnte. Zum Glück sind diese Phasen/Tage allerdings eher selten und noch seltener treten diese Tage bei beiden gleichzeitig auf…

Die Schnatterente hat allerdings gerade mal wieder so eine „Ich-teste-meine-Grenzen“-Phase und macht nur scheiße! Insbesondere ihrer Kreativität lässt sie derzeit – bewusst provokativ – freien lauf: Mit Silberstempelkissen wurden der Eßtisch und die Lederstühle bestempelt, der Gartenzaun bekam ein paar neue Farbstriche, auf dem Sofa, wo sich leider die Schmusemaus mit einem Kreidestift ausgetobt hat, wurden mit einer zweiten Farbe akkurat die Striche nachgezogen… Außerdem wird hier und da mal was kaputt gemacht und statt drei Mal muss ich derzeit alles 10 Mal sagen. Sie überschreitet gerade mit größter Freude alle klar gesetzten Grenzen und jeder Rüffel von mir wird mit einem verschmitzten Grinsen oder gar lauten Gekicher hingenommen! Weder das was ich sage, noch das was mein Mann sagt, wird sonderlich ernst genommen, über Fernsehverbot kann sie nur lachen (sie guckt eh nicht viel – daher zieht das nicht wirklich). Auch, dass der Weihnachtsmann jetzt ganz genau hinguckt, welche Kinder brav sind und Geschenke bekommen, beeindruckt sie wenig. Einzig wenn man für den nächsten Tag ein totales Süßigkeitenverbot androht, scheint das ein wenig zu wirken 🙂

Wenn ich sie dann mal in einer „ruhigen“ Minute frage, was im Moment los ist, sagt sie, dass sie nach Berlin will! Natürlich reden wir jetzt öfter über Berlin, weil wir über Weihnachten zwei Wochen dort sein werden. Ich zähle ehrlich gesagt auch schon die Tage rückwärts, bis wir fliegen und ich endlich mal etwas Pause bekomme (meinen Mann kann ich diesbezüglich seit Wochen abschreiben, weil er am Wochenende entweder den verpassten Schlaf der Woche nachholt, oder eben arbeiten muss).

Es ist schon eine verzwickte Situation: Ich habe eine sehr große Familie in Berlin und wir finden uns alle SEHR regelmäßig bei meinen Eltern ein. Wir wohnen auch immer dort, wenn wir in Berlin sind und es ist definitiv sowas wie Heimat für meine Mädels. Und das finde ich auch gut. Auf der anderen Seite will ich natürlich auch nicht, dass sie total Heimweh haben, wenn wir in London sind, weil wir ja nun mal hier leben. Und das sicher auch noch für die nächsten Jahre.

Die aktuelle Phase der Schnatterente erinnert mich jedenfalls stark an die ersten Tage in London vor einem Jahr, als wir hier frisch hergezogen sind: Sie war so frech wie noch nie und hat mir wirklich tagsüber das Leben zur Hölle gemacht. Ich war eine ganze Zeit abends immer extrem froh, wenn die Kids im Bett waren! Gut, genaugenommen freue ich mich auch an normalen Tagen immer auf den Moment, wenn die Kids im Bett sind und ich – nachdem das riesen Chaos des Tages beseitigt ist – auch mal ein paar Minuten entspannen kann!

Diese absolute Trotzphase im letzten Jahr war jedenfalls definitiv Heimweh nach Berlin. Wir hatten damals insgesamt eine halbes Jahr bei meinen Eltern gelebt, weil da ja auch die Schmusemaus geboren wurde, und der Umzug nach London fiel der Schnatterente sehr schwer. Ihre schlechte Laune besserte sich erst durch den Besuch der Deutschen Spielgruppe und des deutschen Musikkurses und richtig über das Heimweh weggekommen ist sie, als sie im neuen Kindergarten angefangen hat.

Wir sind damals bewusst die ersten vier Monate nicht nach Berlin geflogen, damit sich die Kids erst einmal richtig in London einleben. Danach waren wir aber wegen einiger Termine relativ regelmäßig da und es gab bei den Rückreisen nach London immer ein paar Meckereien, dass die Schnatterente lieber in Berlin bleiben will. Aber da sie ja schon Freunde hier hatte, konnten wir sie recht einfach davon überzeugen, dass die Freunde in London schon sehnsüchtig auf sie warten.

Ob das aktuelle „Heimweh“ der Schnatterente jetzt am sich nähernden Weihnachts-Berlin-Besuch liegt oder daran, dass wir fast 3 Monate nicht mehr in Berlin waren, oder sie vielleicht auch einfach nur eine schlechte Phase hat und Berlin als „Ausrede“ benutzt, kann ich schwer beurteilen. Ich hoffe jedenfalls, das wir die Spitze der schlechten Laune schon überschritten haben! Sonst hat der Weihnachtsmann garantiert keine Geschenke für die Schnatterente in seinem sicherlich überdimensional großen Sack, egal wie schön sie ihr Gedicht „Lieber guter Weihnachtsmann“ vortragen kann 😉

Eure Uta x

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