Ländervergleich Schwangerschaft und Geburt in UK vs Deutschland

Schwangerschaft und Geburt in UK vs. Deutschland

Anlässlich eines kürzlich geführten Gesprächs, berichte ich über die Unterschiede zwischen Schwangerschaft und Geburt in UK gegenüber Deutschland. Bereits vor einigen Monaten hatte ich zu dieser Frage über die Facebook-Gruppe „Deutsche Mamas in London“ (die, wie ich gerade sehe, nicht mehr existiert?!?) nach Mamas gesucht, die sowohl hier und als auch in Deutschland schwanger waren/entbunden haben und sie gebeten, mir von ihren Erfahrungen und insbesondere den Unterschieden zu berichten.

Ich habe mich sehr über die Antworten mehrerer Mamas per Email gefreut, die offen über ihre Erfahrungen berichtet haben. Eine Mama habe ich sogar persönlich zu einem sehr netten Gespräch getroffen!

Natürlich ist die Erfahrung einer Schwangerschaft und Geburt sehr subjektiv, weil auch bei derselben Frau unter ansonsten gleichen Bedingungen zwei Schwangerschaften sehr unterschiedlich empfunden werden können. Außerdem variieren je nach Jahreszeit/Auslastung der Ärzte, Hebammen und Krankenhäusern die Rahmenbedingungen, was sich ebenfalls auf die subjektiv empfundene Erfahrung einer werdenden Mutter auswirken kann. Mal ganz abgesehen von den Unterschieden, die es schon alleine von Gynäkologen zu Gynäkologen in Deutschland gibt…

Trotzdem gibt es einige grundlegende Unterschiede, die ich hier einmal erläutern möchte. Passend zu meinem UK-Deutschland-Vergleich habe ich kürzlich einen Baby-Atlas zur Korrektur auf dem Tisch gehabt, in welchem alle möglichen Themen rund um die Geburt in einem europäischen Vergleich der letzten Jahrzehnte abgebildet sind. Über einige der Aussagen war ich wirklich überrascht. Zum Beispiel das Geburtsgewicht: In England scheinen eher leichtere Kinder auf die Welt zu kommen als in Deutschland. Warum allerdings die zypriotischen Neugeborenen so leicht sind, kann ich mir nicht erklären. Die halb-zypriotisch-halb-malaysischen Nachbarskinder sind jedenfalls ziemliche Brocken gewesen 😉

Schwanger werden

Deutschland

1,36 Geburten erleben deutsche Frauen durchschnittlich und liegen damit weit hinter den Britinnen mit 1,84 Geburten.

Wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappen will, gibt es die Möglichkeit der Insemination beziehungsweise In-vitro-Fertilisation. Deutsche Krankenkassen beteiligen sich in der Regel schon beim ersten Versuch nur mit der Hälfte der entstehenden Kosten an bis zu 8 Inseminationen und bis zu 3 IVFs. Die Voraussetzungen, welche Paare für eine Kostenbeteiligung der Fertilitätsmaßnahmen durch eine Krankenkasse in Frage kommt, sind geregelt und können auf themenbezogenen Webseiten nachgelesen werden.

Großbritannien

In UK liegt die Geburtenrate mit 1,84 Geburten je Frau deutlich höher.

Wenn es bei Britinnen mit dem Schwangerwerden mindestens 2 Jahre nicht geklappt hat, übernimmt das NHS die Kosten für 12 Inseminationsversuche. Bleiben diese erfolglos, bezahlt die NHS die vollen Kosten für weitere 3 IVF Versuche. Die Richtlinien, wer für diese Maßnahmen in Frage kommt, scheinen mir auf den ersten Blick sehr streng zu sein. Man stellt einen Antrag für die Fertilitätsmaßnahme und ob die Kosten übernommen werden, entscheidet ein Komitee der „local Clinical Commissioning Group“.

Positiver Schwangerschaftstest

Deutschland

Mit einem positiven Schwangerschaftstest in der Hand wird sich jede deutsche Frau selbstverständlich sofort an ihre Frauenärztin wenden. In der Regel bestellt diese die Schwangere zwischen der 5 und 8 SSW zu einem Termin in die gynäkologische Praxis, wo – so kenne ich das jedenfalls – per Ultraschall die Schwangerschaft bestätigt wird und die Schwangere über Verhaltensregeln aufgeklärt wird sowie alle Fragen stellen kann.

Großbritannien

In UK gehen Frauen nach einem positiven Schwangerschaftstest zu ihrem Allgemeinarzt. Es erfolgt keine Untersuchung sondern es wird lediglich nach dem Befinden gefragt und die Schwangere wird mit ein paar Informationsheftchen zur Schwangerschaft und wie die medizinische Betreuung abläuft, nach Hause geschickt.

Erste Untersuchung

Deutschland (Frauenarzt)

  • Ultraschall um die Schwangerschaftsanlage (ggf. Herzschlag) zu überprüfen.
  • Umfassende Beratung/ Aufklärung sowie erste Untersuchungen

Großbritannien (GP)

  • Keine Untersuchung
  • Informationsblätter und Formulare werden übergeben

Nackenfaltenmessung

Deutschland

Die Nackenfaltenmessung ist in der Regel eine selbst zu zahlende IGeL Leistung, die den werdenden Müttern empfohlen wird. Sie wird entweder von der Frauenärztin oder in einer spezialisierten Klinik durchgeführt.

Großbritannien

In UK gehört die Nackenfaltenmessung zur Standarduntersuchung. Soweit ich weiß ist sie auch in England erfunden worden. Sie findet um die 12 SSW in einer spezialisierten Klinik statt und wird von Ultraschallspezialisten durchgeführt.

Vorsorgeuntersuchungen

Deutschland

Vorsorgeuntersuchungen sind in Deutschland zunächst in einem Abstand von 4 Wochen geplant und werden beim Frauenarzt durchgeführt. Ab der 32 SSW werden die Schwangeren in der Regel alle 2 Wochen zur Untersuchung gebeten. Wenn es an den errechneten Termin geht oder darüber, gehen die Schwangeren jeden zweiten Tag für ein CTG und so weiter zum Frauenarzt. In Deutschland sind mindestens 3 feste Ultraschalls vorgesehen.

Großbritannien

In UK geht man für alle Vorsorgeuntersuchungen in die Schwangerenambulanz (maternity units) eines Krankenhauses oder kann eine Vorsorgeuntersuchung beim GP oder zu Hause von einer Midwife (Hebamme) durchführen lassen. Beim ersten Baby hat man bis zu 10 Vorsorgeuntersuchungen, beim 2. Kind nur noch bis zu 7. In UK ist laut NHS-Webseite neben dem Ultraschall um die 12. SSW herum nur noch der Ultraschall um die 20. SSW herum vorgesehen.

Schwangerschaftskomplikationen

Deutschland

Ich hatte zum Glück bei beiden Schwangerschaften keine Komplikationen, aber bei allen Schwangeren, die ich kenne und wo es welche gab, wurde wirklich alles gemacht. Auch Besuche am Wochenende im Krankenhaus scheinen in Deutschland eher auf Verständnis zu stoßen und man wird freundlich behandelt und nicht als „Panik-schiebende-Eltern-in-spe“ abgestempelt.

Großbritannien

In England kenne ich (in meinem eher kleinen Bekanntenkreis) mehrere Fälle, wo die Schwangeren wirklich alleine mit ihren Sorgen und Ängsten gelassen wurden. So von wegen: „Die Natur macht das schon von alleine“. Und dabei sind auch definitiv Risiken eingegangen worden. Einmal ist es gut gegangen, einmal wäre ein frühzeitiges Eingreifen möglicherweise hilfreich gewesen. Auch kenne ich eine Mutter mit einem Frühchen, dass mit einem Baby entlassen wurde, dass keine 2 Kilo gewogen hat und zwar nur, weil es in der Nacht vor der Entlassung 50g zugenommen hatte. Hätte das Baby vorm wiegen Pippi gemacht, wäre es wohl nicht entlassen worden… Es ist schwer (oder leicht) zu behaupten, dass diese Fälle, die ich aus UK kenne, in Deutschland besser behandelt worden wären. Aber zumindest habe ich definitiv das Gefühl, dass man vieles in Deutschland ernster nimmt als in UK (wo ja auch unumstritten ist, dass die NHS chronisch unterfinanziert ist und an allen Ecken und Enden gespart werden muss).

Geburt

Deutschland

Je nach Beliebtheit des Krankenhauses kann es vorkommen, dass man sich schon vor der 20SSW dort zur Geburt anmelden muss. In der Regel reicht es aber wenn sich die Schwangere zwischen der 25. Und 30. SSW zur Geburt anmeldet. Wahrscheinlich bietet mittlerweile jedes Krankenhaus Informationsabende für werdende Eltern an, damit sich diese die Kreissäle anschauen können (und sich nach Statistiken zu PDAs, Einläufen, Dammschnitten, Kaiserschnitten und Saugglocken-Einsätzen informieren können „augenroll“).

Setzen die Wehen ein, ruft man im Kreissaal an und spricht mit der Hebamme, wie regelmäßig und stark die Wehen sind, wie es der Frau geht etc. Ich habe es selbst so erlebt und auch bei Freundinnen, dass man lieber etwas zu früh in den Kreissaal bestellt wird und ggf. noch mal nach Hause geht, als zu spät.

Großbritannien

In England herrscht ein absoluter Bettenmangel auf Geburtsstationen! Wahrscheinlich auch deshalb stehen rund um die Uhr Hebammen zur Verfügung, die eine Geburt spontan zu Hause begleiten können. Man muss sich nicht erst vorher um eine Hebamme bemühen, die eine Hausgeburt betreuen würde. Allerdings hat man dann natürlich auch keine Ahnung, wen man da für eine Hausgeburt in sein zu Hause bittet!

Ansonsten versucht das Kreissaalpersonal die Schwangeren so lange wie möglich zu Hause zu lassen. Eine Freundin musste letztendlich mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus fahren, weil ihr sehr lange eingeredet wurde, dass sie noch nicht kommen braucht.

Wird im Krankenhaus entbunden, wird man, wenn es keine Komplikationen gab oder erwartet werden, nach wenigen Stunden gebeten zu gehen. Die Betten müssen halt wieder frei gemacht werden! Ich muss sagen, ich fand die ambulante Geburt bei der Kuschelmaus (die Zweitgeborene) sehr angenehm, weil ich Krankenhäuser nicht mag und weil ich auch mit dem Neugeborenen zu meinen Eltern nach Hause gegangen bin, wo ich alle Unterstützung der Welt mit nun 2 Kindern bekommen habe. Nach der Erfahrung im 2-Bettzimmer bei der Schnatterente zog ich die zwar laute – aber gewohnte – Umgebung zu Hause dem Krankenhausbett definitiv vor! Als Erstgebärende hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, wenige Stunden nach der Geburt nach Hause zu gehen und deshalb finde ich es schon etwas grenzwertig, dass es in England oft keine Möglichkeit gibt, zu bleiben.

Die Nachsorge

Deutschland

In Deutschland stehen einem ca. 18 Hausbesuche einer Hebamme zur Verfügung und diese werden 100 Prozent von der Krankenkasse übernommen. Ich habe bei beiden Kindern Nachsorgehebammen gehabt und fand es auch sehr angenehm. Außerdem geht es bei den Besuchen ja auch darum herauszufinden, wie es der Mutter mit dem Baby geht, wie die Gebärmutter sich zurückbildet, Wochenfluss etc. und nicht nur um das Babys, dessen Ausscheidungen, Trink- und Schlafverhalten ansich.

Großbritannien

In England gibt es das System von „hausbesuchenden Hebammen“ in dem Sinne nicht. Es gibt „Health-Visitors“ die zu einem nach Hause kommen, aber das sind keine richtig gelernten Hebammen oder Stillberaterinnen, sondern in der Regel sind das irgendwelche Quereinsteiger die ein Training absolviert und ab da Besuche anderer Health-Visitors begleitet haben. Irgendwann sind sie dann selbst „Health Visitor“…

Der Health-Visitor kommt allerdings nur 1 Mal ca. 10 Tage nach der Geburt zu Besuch und schaut auch nicht wirklich nach der Mutter.

Um das Baby regelmäßig zu wiegen gibt es in jedem Bezirk eine „Baby-Wellbeing-Clinic“, in der man ein Mal die Woche einfach ohne Termin hingehen kann, um das Baby zu wiegen. Dort kann man für speziellere Fragen auch mit seinem oder anderen „Health-Visitor“ sprechen.

Resümee

Da es glücklicherweise bei uns ohne Nachhilfe mit dem Schwangerwerden geklappt hat, lässt sich aus meiner Darstellung ohne Zweifel erkennen, dass ich das Deutsche Gesundheitssystem auch beim Thema Schwangerschaft und Geburt dem Britischen vorziehe.

Ich plane derzeit keine Schwangerschaft in England und selbst wenn würde ich mir vor Augen zu halten versuchen, dass hier auch gesunde Kinder geboren werden. Was mich allerdings bei der ganzen Sache nun doch etwas verunsichert ist die Tatsache, dass eine bekannte deutsche Frauenärztin (!) kürzlich Zweifel geäußert hat, ob sie nach ihrer ersten Schwangerschaft in Deutschland wirklich hier in London mit einem zweiten Kind schwanger werden möchte! Und DIE muss es ja nun wirklich wissen!

Für alle ängstlichen Deutschen, die sich für ein Baby in UK entschieden haben oder sich entscheiden werden und sich durch die Schwangerschaft zittern habe ich allerdings noch einen kleinen Tipp am Rande: Gerade erst von Bekannten getestet weiß ich, dass die NHS die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen und sogar für eine Geburt in Deutschland übernimmt! Wahrscheinlich nicht über die ganze Schwangerschaft, wenn man monatelang auf Heimatbesuch ist. Aber man kann sicher argumentieren, warum man ausgerechnet in Woche XY, in der man gerade zufällig bei der Familie in Deutschland ist, zur Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung musste. Und dass ein paar Geburten auch im Ausland statt finden, entlastet wenigstens den hohen Zulauf in den britischen Geburtskliniken und hat somit auch einen positiven Effekt für Großbritannien 😉

Nur gut, dass ich mir zur Zeit darüber nicht den Kopf zerbrechen muss 😀

Eure Uta x

ps: Ich habe mir Mühe gegeben, die Unterschiede zu recherchieren. Wenn ihr es anders erlebt habt, freue ich mich sehr über eure Kommentare!

12 Gedanken zu „Ländervergleich Schwangerschaft und Geburt in UK vs Deutschland

  1. Hallo zusammen

    Ich bin per Zufall über euren Blog-Beitrag gestossen. Dieser ist für mich soeben aktuell. Wir ziehen demnächst nach London und ich bin schwanger (2. Kind 5 Woche). Wir sind privat versichert. Da ich aber als Hochrisikoschwangerschaft gelte habe ich nun riesige Angst nicht in der Schweiz in Muttersprache-Milieu entbinden zu können. Habt ihr auch Erfahrungen in privaten Kliniken gesammelt?

    Danke für eure Feedbacks

    Liebe Grüsse

    Andrea

    1. Hallo Andrea,

      sorry – ich sehe deinen Kommentar erst jetzt. Ich hatte eine deutsche (private) Frauenärztin im Portland Hospital. Nur leider ist sie gerade in Rente gegangen und hat eine englische Nachfolgerin. Das Portland ist eine ziemlich bekannte private Geburtsklinik und auch verdammt teuer. Ich habe da mal eine Fernsehreportage gesehen…

      In der Richmond Clinic gibt es glaube ich auch eine deutsche Frauenärztin. Aber ob die in einem Krankenhaus auch Entbindungen begleiten würde, weiß ich leider nicht.

      Ansonsten haben Krankenhäuser scheinbar auch solche etwas „schöneren“ Entbindungs-Units (zB Kingston), wo alles sehr persönlich und privat läuft.

      Ich habe allerdings selbst nicht in London entbunden, weshalb ich auch keine Erfahrung aus erster Hand habe. Aber die Freundinnen, die in Deutschland und in England schwanger waren und entbunden haben, waren soweit zufrieden. und wenn du Risikoschwanegr bist, wird auch das NHS wahrscheinlich auf Nummer sicher gehen. Am wichtigsten ist wohl vor allem einen guten GP zu haben. Denn viele private Krankenversicherungen wollen Überweisungen vom GP und da braucht man dann halt auch jemanden, der einem die Notwenigkeit auch schwarz auf weiß gibt.

      Alles Gute für den Umzug und die Schwangerschaft! Mit kleinen deutschsprachigen Kindern findet man in vielen Gegenden deutsche Spielgruppen.
      Liebe Grüße,
      Uta

  2. Liebe Uta,

    es ist sehr interessant zu lesen, wie von anderen das deutsche und britische Gesundheitssystem im Bezug auf Schwangerschaft etc. wahrgenommen wird. Denn ich als Hebamme empfinde das ganz anders! 😉

    Ich arbeite freiberuflich in Deutschland. Selbst habe ich zwei Kinder in Deutschland geboren. Und ich finde man ist als Schwangere hier einfach maßlos überversorgt. Diese vielen Untersuchungen, mögen theoretisch sehr beruhigend wirken, schüren aber maßlose Ängste. Da werden kleinste Abweichungen im Ultraschall gleich zum Grund für den „nötigen“ geplanten Kaiserschnitt. Es fallen unüberlegte Sätze wie: „Ihr Kind ist vermutlich unterversogt!“ „Wenn Sie es mit der Spontangeburt versuchen möchten, dann unterstützen wir Sie, aber es gefährdet Ihr Leben und das des Kindes!“ „Ihr Kind hat kein Fruchtwasser mehr!“ „Hausgeburt!? Das grenzt ja schon an vorsätzliche Kindtötung!“ „Eine Hebamme brauchen Sie nicht, ich mach bei Ihnen doch alle Untersuchungen.“
    Oder es werden den Frauen Fachwörter um die Ohren gehauen, ohne diese weiter zu erläutern. Wird dies später gegoogled, dann klingelt daraufhin mein Telefon heiß.
    Da wäre mir persönlich ein „Die Natur weiß schon was sie tut.“ lieber. 🙂

    Ich habe bei einem Besuch einer befreundeten Hebamme in Edinburgh bei verschiedenen Einrichtungen hospitiert. Und ich muss sagen, ich liebe das britische System! Vorsorge erfolgt durch eine Hebamme, meist in den Praxen der Hausärzte. Zwei reguläre Ultraschalluntersuchungen durch Spezialisten (nicht durch den einfachen Gyn um die Ecke). Hebammengeleitete Geburtshilfe wohin man schaut. Deutlich niedrigere Komplikationsraten in der Schwangerschaft und unter der Geburt. Und natürlich gibt es dort auch nach der Geburt eine Betreuung duch eine Comunity Midwife.

    Mag sein, dass es Unterschiede zwischen England und Schottland gibt, aber ich wäre lieber in Schottland schwanger gewesen, als hier.

    Ich fürchte (bitte nicht falsch verstehen) uns „verwöhnten“ Deutschen, kann man es auch einfach nur noch schwer recht machen. Es gibt tatsächlich Länder, wie Schweden, da fliegt man auch recht zügig aus der Klinik und da kommt NIEMAND! Kein Health Assistant, keine Hebamme, KEINER! Man sieht auch dort während der gesamten Schwangerschaft in der Regel keinen Gynäkologen.
    Es kommt auch immer darauf an, was man gewohnt ist. Oder wie hoch man seine Ansprüche schraubt. Aber die leisten da oben eine tolle Arbeit! Und ich finde das sollte man nicht in ein so schlechtes Licht rücken.

    Ganz liebe Grüße
    Christina

    1. Liebe Christina,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich gebe dir vollkommen recht, dass wir in Deutschland in vielen Dingen überversorgt sind und uns natürlich an den Standard gewöhnt haben. Und dass zu viel Wissen manchmal sehr verunsichern kann, sehe ich auch ein.

      Ich für meine Person möchte aber lieber selbst entscheiden, weniger als möglich in Anspruch nehmen, statt keine Möglichkeit zu haben, verschiedene Untersuchungen zu bekommen. Mir hat meine Gynäkologin hier in London, die ich für den jährlichen Check-up besuche und natürlich privat bezahlen muss, erzählt, dass die Nackenfaltenmessung in England erfunden wurde. Und auch dieses Verfahren, kindliches Genmaterial aus dem Blut der Mutter zu extrahieren und zu untersuchen (letzteres ist natürlich keine Leistung des NHS). Ich habe in Deutschland keine Nackenfaltenmessung machen lassen und keine sonstigen zusätzlichen Leistungen. Aber es gibt ein paar Dinge, die ich doch sehr sinnvoll finde.

      Seit meine Kollegin hier schwanger ist, habe ich eine Zweitmeinung darüber, dass hier einfach ein bisschen zu wenig durchgeführt wird. Sie ist nämlich selbst Gynäkologin und fühlte sich teilweise unterversorgt. Obwohl sie sich sehr bemüht hat, hätte sie zum Beispiel einen Schwangerschaftsdiabetes Test nur mit einem extra Termin bei irgendeinem Arzt für viel Geld machen können.

      So ist sie in die deutsche Apotheke, hat sich diesen Glucosesaft gekauft und den Bluttest für geringes Geld in irgendeiner medizinischen Einrichtung gemacht.

      Ich werde bei Gelegenheit meinen Post aber noch einmal auf Schwarzfärberei überprüfen, denn ich will ja nicht zu einseitige Meinungen verbreiten 😉

      Liebe Grüße,
      Uta

  3. Hallo,
    ich bin momentan schwanger (in Schottland) und kann vielem nur Zustimmen! Gerade am anfang der Schwangerschaft fühlt man sich sehr alleine gelassen.

    Mittlerweile ist es, zumindest hier in Schottland so, dass einem beim 20. SSW Ultraschall auch das Geschlecht nicht mitgeteilt wird.

    Nach der Geburt, kommt am ersten Tag daheim eine Hebamme und erst danach der Health Visitor. So wurde es mir beim Geburtsvorbereitungskurs mitgeteilt. Anscheinend gibt es da wohl doch ein paar kleine Unterschiede zwischen England und Schottland.

    LG Amelie

    1. Liebe Amelie,
      uns wurde in England das Geschlecht auch nicht offiziell mitgeteilt. Der Doktor hat mich aber sehr eingehend das Ultraschall-Bild betrachten lassen. :-)) Ich wünsche Dir alles Gute für die Schwangerschaft und wenn Du ein bisschen mehr über schwangere Deutsche in UK lesen magst und was zum Lachen brauchst, dann schau doch mal in mein ebook: „Von Babys und Briten – Anekdoten einer Expat-Mama“, gibt es überall, wo es ebooks gibt. :-))
      Viele Grüße
      Jonna

  4. Liebe Uta,
    ich durfte auch Schwangerschaft und (Kaiserschnitt-)Geburt in England erleben – und das im ersten Jahr! Es war sicher der Bereich mit den tiefsten Fettnäpfchen für mich und eine der größten Erfahrungen überhaupt. Die rein medizinische Versorgung war top, alles andere drum herum ergab Stoff für reichlich Anekdoten. Alles nachzulesen in meinem ebook „Von Babys und Briten“. :-))
    Liebe Grüße
    Jonna

    1. Liebe Jonna,

      ohhhh ja, dein ebook wollte ich schon lange mal lesen! Aber ich komme einfach zu nichts (außerdem fehlt mir auch der eReader dazu…). Wie lange darf/muss man in England denn nach Kaiserschnitten im Krankenhaus bleiben?

      Liebe Grüße,
      Uta

      1. Liebe Uta,
        Mich haben sie am vierten Tag heimgeschickt, denn alles war soweit in Ordnung. Das ist in Deutschland nicht anders bei einer geplanten Sectio, bei Not-Ops kommt es wohl immer auf die Umstände an.
        Liebe Grüße
        Jonna
        P.S. Du brauchst übrigens keinen E-Reader; das geht z.B. auch auf dem IPad mit der kostenlosen ePub-App von Adobe. 🙂

  5. Liebe Uta,
    ein interessanter Artikel. Unser Sohn wurde vor 3,5 Monaten in den USA geboren. Das System erinnert eher an die englischen Verhältnisse. Die Schwangerschaftsvorsorge ist im Vergleich zu Deutschland sehr nüchtern und auch Hebammen zur Vor- und Nachsorge sind zumindest hier im Süden nicht üblich. Planmäßig gibt es nur einem großen Ultraschall um die 20. SSW herum (und natürlich der zur Feststellung der Schwangerschaft). Bei den Untersuchungsterminen werden jeweils nur die Herztöne mittels Doppler abgehört, der Bauch abgetastet und Urin/Gewicht/Blutdruck untersucht. Ich konnte aber meiner Frauenärztin, die durch die zusätzliche Ausbildung zur Geburtshelferin später auch die Geburt geleitet hat, alle möglichen Fragen stellen und habe mich in keiner Weise schlecht betreut gefühlt. Mir persönlich hat es sogar gut getan, mich mehr auf mein eigenes Körpergefühl zu verlassen, wobei dafür sicherlich auch entscheidend war, dass es bei mir keinerlei Komplikationen gab. Der ganze Hype in Deutschland (habe die ersten Monate der Schwangerschaft noch dort erlebt) hat mich dagegen damals sehr verunsichert.

    Viele Grüße, Nancy

    1. Liebe Nancy,

      vielen Dank für die Schilderung deiner Erfahrung in den USA und nachträglich herzlichen Glückwunsch zur Geburt deines Sohnes (nach 3,5 Monaten kann man das wohl noch sagen :-)). Wahrscheinlich ist es einfach typ-abhängig, ob man eben als Schwangere lieber alles untersucht haben will (ich habe bei beiden Mädels keine extra Nackenfaltenmessung machen lassen und gehöre wohl zu einer Mischform) und ständige Kontrollen möchte oder ob man lieber auf sein „Bauchgefühl“ vertraut und mit weniger Kontrolle/Ultraschalls/weiteren Untersuchungen auskommt. Ich habe bisher noch nirgendwo gelesen, dass es durch mehr oder weniger kontrollierte Schwangerschaften zu mehr oder weniger Kindern mit Fehlbildungen kommt. Mag sein, dass in Deutschland die Schwangeren überversorgt sind. Aber bei sowas ist mir persönlich das schon etwas lieber als andersrum 😉

      Liebe Grüße,
      Uta

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.