Ländervergleich: Arbeitsmoral


Ländervergleich Flaggen 3
Kaum in Berlin angekommen, führte mein erster Weg heute Vormittag zum Postamt. Ich hatte schon damit gerechnet, dass es vor Weihnachten etwas voller als sonst sein könnte. Dass die Schlange allerdings bis draußen ging (und es regnete ziemlich doll) und ich eine halbe Stunde anstehen musste, hat mich dann allerdings doch überrascht! Als ich etwas näher an die Schalter vorgerückt war, konnte ich allerdings sehen, was dort abging:

Wie fleißige Bienchen im Bienenstock wuselten die 5 Postamtmitarbeiterinnen hin und her: Päckchen wurden von A nach B getragen, Geld gezählt, Briefmarken sortiert, in Aktenordner geblättert und an 2 Schaltern die Kunde bedient. Man konnte den armen Damen anmerken, welchen Stress sie hatten, die Kundenmassen durchzuschleusen. Sie haben wirklich ihr Bestes gegeben und sich sehr beeilt.

Im letzten Jahr hatte ich eine ähnliche Situation in London: Wir hatten kurz vor Weihnachten einen Paketabholschein im Briefkasten. Die erste Herausforderung für mich war schon einmal, die Paketstation zu lokalisieren, da nur: „To be picked up in your local post office“ drauf stand. Adresse? Fehlanzeige! Also schnell die Nachbarn gefragt und dann die nächste tolle Nachricht: Das Postamt befindet sich 6 Busstationen von uns entfernt! Finde ich für das lokale Postoffice schon relativ weit entfernt…

Dort angekommen dann die nächste Hürde: Das Postamt befindet sich nicht ebenerdig sondern es geht ca. 30 Stufen hoch – und ich war natürlich mich vollbepackten Kinderwagen dort. Prima, denn ich frage nicht besonders gerne Fremde, ob sie mir beim Kinderwagen hochtragen helfen können. Ich habe immer Angst, dass ich jemanden mit einem Rückenleiden erwische, der mir aber trotzdem hilft, weil ich so „verzweifelt“ aussehe. In dem Fall hatte ich aber „Glück“, dass auch hier die Schlange bis draußen ging, denn so sahen mich ein paar Kunden von oben und ein junger, kräftiger Mann kam gleich angelaufen um mir zu helfen. Man kann den Briten wirklich nicht nachsagen, dass sie nicht hilfsbereit sind! Über die Britische Höflichkeit habe ich ja schon einmal in einem anderen Blogpost geschrieben.

Es hat zwar in diesem Fall nicht geregnet, obwohl man London ja gerne Dauerregen nachsagt, was ich allerdings bisher nicht bestätigen kann. Aber trotzdem war das ewige warten draußen und dann mit der Zeit immer näher zu den Schaltern rückend, sehr nervig. Zumal ich beide Kinder dabei hatte… Als ich dann sah, wie die 3 Postangestellten gearbeitet haben, hat es mich nicht mehr gewundert, dass die Schlange so langsam voran kam: Mit einer Seelenruhe haben sie die Kunden bedient, sind im Schneckentempo im hinteren Raum verschwunden und kamen erst nach einer gefühlten Ewigkeit mit einem Päckchen wieder heraus. Es kam mir vor, als würde ich einen Film in Zeitlupe angucken und zusätzlich wurde nebenbei auch noch ein Schwätzchen mit den Kunden oder unter den Mitarbeitern gehalten. Zugegebenermaßen hat die Ruhe, die die Mitarbeiter ausgestrahlt haben, irgendwie auch auf die wartenden Kunden abgefärbt, denn die waren alle sehr ruhig und geduldig. Trotzdem habe ich mich gefragt, wieso man das alles nicht ein wenig beschleunigen kann. Vielleicht ein typisch deutscher Gedanke?!

Ich habe zu dem Thema vor kurzem einen ganz interessanten Blogpost gelesen (Why Germans work fewer hours but produce more: A study in culture). Das ist natürlich sehr subjektiv dargestellt, aber anhand der Kommentare sieht man, dass wir Deutschen im Ausland einen besonderen Ruf haben, was unsere Arbeitsmoral angeht. Der Author vergleicht die USA mit Deutschland, bringt aber auch ein nettes Beispiel einer Deutschen, die einen working exchange in England gemacht hat:

“I was in England for an exchange… I was in the office and the people are talking all the time about their private things… ‘What’s the plan for tonight?’, and all the time drinking coffee…”

Ja, ich kann bestätigen, dass ich während eines Praktikums in London vor vielen Jahren auch verwundert war über die Tatsache, dass die gesamte untere Etage sich am Morgen als erste Tat zum Müsli im Pausenraum getroffen hat. Und das waren Customer Service Mitarbeiter, die sich dort nicht für Besprechungen getroffen haben… Oder über die Tatsache, dass eine der jungen Mitarbeiterinnen in der Mittagspause „kurz“ eine halbe Stunde (one-way!) nach Hause gefahren ist, um sich ihre fettigen Haare zu waschen… Wieso kann man das denn nicht morgens erledigen 🙂

Und in der „Coffee Corner“ des Unternehmens ist das restliche Teewasser im Wasserkocher garantiert nie unter 80°C abgekühlt – zu oft war letzterer in Betrieb 🙂

Eure Uta x

3 Gedanken zu „Ländervergleich: Arbeitsmoral

  1. Schönen guten Tag!
    Ich musste echt schmunzeln bei den Teil über die Londoner. Ich muss ehrlich sagen das ich in meiner einen Woche London nichts vom Regen bemerkt hatte (kurz war ein Nieselregen ausgebrochen den man aber nur bemerkte wenn man sich die Steine des Bodens ansah).
    Auch über die Hilfsbereitschaft war ich erstaund (ich stand da, in der Tubestation mit Koffer dessen Teleskopgriff sich nicht mehr einklappen ließ) ich glaube so schnell hatte ich noch nie leute gesehen die helfen wollten…

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