Gastbeitrag – Rückwanderung nach Deutschland nach vielen Jahren in Australien

Rückwanderung nach Deutschland

Ich habe ein super spannendes Rückwanderung nach Deutschland Interview mit einer Mama geführt, auf die ich in einer Facebookgruppe aufmerksam geworden bin. Sie lebte mit Mann und zwei Kindern viele Jahre in Australien und haben vor einigen Monaten nun den Schritt zurück nach Deutschland gewagt.

Da über kurz oder lang auch für uns die Rückwanderung nach Deutschland anstehen könnte, habe ich ihr viele Fragen gestellt und Tanja war so nett und hat sie auch alle beantwortet! Vielen Herzlichen Dank!!!

Bitte erzähl uns doch mal kurz, wie, wann und warum es euch nach Australien gezogen hat?

Mein Mann und ich waren 2007 zusammen das erste mal in Australien. Mein Mann hat ein halbes Jahr ein Praktikum gemacht und am Ende haben wir zusammen 4 Wochen Urlaub gemacht und das Land bereist. Die Freiheit und Weite auf dem Weg von Darwin nach Melbourne hat uns sehr gefallen und wir haben die Zeit sehr genossen und meistens im Auto geschlafen oder uns spontan in Roadhouses ein Zimmer genommen.

Als wir wieder in Deutschland waren, haben wir uns dazu entschlossen für 1-2 Jahre in Australien zu leben. Im Februar 2009, nach dem Ende des Studiums meines Mannes, sind wir aufgebrochen. Mein Mann hatte schon eine sichere Arbeitsstelle bei dem gleichen Arbeitgeber wie zuvor im Praktikum. Ein kleines Familienunternehmen in Darwin, Northern Territory. Wir haben Deutschland nicht verlassen, weil es uns nicht mehr gefiel, sondern haben fest damit gerechnet nach 1 bis max 2 Jahren wieder zurück zukommen.

In erster Linie war es also der vorhergegangene Urlaub und dann der sichere Arbeitsplatz, der uns dazu bewogen hat, länger nach Australien zu gehen.

Wie ist das Einleben verlaufen?

Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Wir hatten das Glück schon einige Leute vor Ort zu kennen, die sehr hilfsbereit waren. So hatten wir in der ersten Zeit sofort ein Auto und eine Wohnung. Dadurch war es für uns wesentlich leichter, sich in Ruhe nach einer eigenen Wohnung umzuschauen. Ich habe dann durch Zufall meinen ersten Job bekommen und war von der Spontanität der Australier beeindruckt. Nach einem Monat hatten wir unser eigenes Auto, Mietwohnung, Möbel etc. und wir konnten uns darauf konzentrieren, die Zeit etwas mehr zu genießen.

An der Arbeit meines Mannes lief es sehr gut, er war schnell im Team eingebunden und hatte reichlich zu tun.
Das erste Jahr verging wie im Flug und das zweite dann auch relativ schnell. Wir haben viele neue Leute kennengelernt und die Zeit sehr genossen. Ans Zurückgehen haben wir nicht weiter gedacht, weil es uns sehr gefiel, die Arbeit und Freizeit gut ausgeglichen war und noch so viel zu entdecken war.

Ihr habt Kinder: Kannst du Unterschiede zum deutschen “Schwangerschaft- und Geburts-System” feststellen?

2010 haben wir geheiratet, in Deutschland, das war von der Gästeliste her doch einfacher. Allerdings kamen schon ein paar Australier mit nach Deutschland.

Mitte 2013 sind wir in unser eigenes Haus umgezogen und haben Ende 2013 unser erstes Kind und Anfang 2016 unser zweites bekommen. Das war auch eine sehr schöne Zeit, da wir mit den Kindern im eigenen Garten sehr viel draußen sein konnten. Darwin liegt ja in den Tropen und ist daher das ganze Jahr über sehr warm, so dass sich unser Leben sehr viel draußen abgespielt hat.

Zu den Unterschieden im Geburtssystem kann ich nichts sagen, da beide meine Kinder in Australien geboren wurden. Allerdings bin ich gerade schwanger mit meinem Dritten und dieses wird dann in Deutschland geboren.

Berichte uns gerne einmal kurz, was das Besondere im Australischen Alltag war

Wir waren jeden Tag draußen in der Natur. Darwin ist gross genug, um alles zu haben was man so benötigt und trotzdem klein genug, um sich wohl zu fühlen. Obwohl man im Vergleich zu Deutschland nur 4 Wochen Jahresurlaub hatte, hat man nie das Gefühl gehabt, wirklich Urlaub zu brauchen. Trotzdem war man sehr produktiv.

Darwin hatte außerdem den Anreiz, multikulturell zu sein. Vor allem sehr viele asiatische Einflüsse gibt es dort.

Ihr seid nun wieder in Deutschland. Was war ausschlaggebend? Wie habt ihr euch nach der Entscheidung gefühlt? Wovor hattet ihr am meisten Angst?

Wir kommen beide aus der selben Gegend in Nordhessen. Wir haben uns für unsere Kinder gewünscht, Zeit mit ihren Großeltern verbringen zu können und natürlich auch anders rum. Unseren Eltern gegenüber war immer das schlechte Gewissen da, ihnen die Enkel vorzuenthalten.

Die Kinder hatten zu der Zeit noch keine wirklichen Bindungen wie Schule etc. gehabt und es stand immer im Raum, irgendwann nach Deutschland zu gehen. Angst hatten wir davor, dass es uns nicht gefallen könnte bzw. das Leben hier in Deutschland doch anders ist, als in unserer Erinnerung.

Wie habt ihr den Kindern erklärt, dass es nach Deutschland geht? Kannten sie Deutschland von Besuchen? Sprechen sie eigentlich deutsch?

Der Älteste, jetzt 4, kann sehr gut deutsch und Englisch. wobei sein Englisch jetzt nach 8 Monaten Deutschland schon stark nachgelassen hat. Der Kleine spricht noch nicht, versteht aber ein bisschen englisch und alles auf deutsch.

Wir haben ihnen gesagt, dass wir zurückgehen und gut. Es gab beim Abschied allerdings auch Tränen. Der Große sagt, dass er seine Freunde in Australien vermisst und dass er aber auch froh ist bei Oma und Opa zu sein.

Wie war das, als ihr eure Entscheidung Familie und Freunden in Deutschland mitgeteilt habt?

Gemischte Gefühle bei der Familie. Die wussten uns ging es in Australien gut, und wir würden etwas aufgeben, was wir geliebt haben. Auf der anderen Seite haben Sie sich auf uns gefreut. Für uns selbst war es aufregend endlich eine Entscheidung mitzuteilen. Da haben glaube ich viele drauf gewartet.

Welche “bürokratischen Hürden” bringt solch ein Rückzug nach Deutschland mit sich?

Für uns eigentlich gar keine. Wir hatten vorher schon alle die doppelte Staatsbürgerschaft. Ein internationales Umzugsunternehmen zu finden, war eigentlich das Schwierigste. Einen Job hatte mein Mann sich schon vor dem Umzug besorgt.

Habt ihr alles sehr detailliert geplant oder war das eher eine kurzfristigere Abreise/Umzug?

Eher kurzfristig. Wir haben den Gedanken aber immer im Hinterkopf gehabt. Dann ging es jedoch auf einmal ganz schnell und wir haben die Zeit genutzt, mit unseren Kindern vor dem Umzug noch 6 Wochen die australische Ostküste zu bereisen.

Nun, wo ihr schon wieder eine Zeit in Deutschland seid: Habt ihr euch die Ankunft so vorgestellt, wie sie dann tatsächlich war?

Die Ankunft war gut, da wir Anfang des Sommers angekommen sind, und deshalb das Wetter erstmal positiv war. Eine Wohnung hatten wir auch schon besorgt und unsere Eltern hatten schon renoviert und unsere alten, eingelagerten Sachen herbeigebracht.

Seid ihr wieder dort, wo ihr vor Australien zu Hause ward?

Ja, das hat sehr geholfen, aber auch gleichzeitig wenig Neues und Aufregendes mit sich gebracht.

Wie fühlt ihr euch nun wieder in Deutschland und vor allem, wie gehen eure Kinder mit der neuen Umgebung um?

Die Kinder haben es sehr gut weggesteckt, vermissen allerdings manchmal auch Australien und ihre Freunde. Wir Großen haben schon gemischte Gefühle. Auf der einen Seite ist man der Familie näher, auf der anderen Seite hat man seine Freunde in Australien zurückgelassen. Man lebt zwischen den Welten und versucht das beste rauszupicken.

Was ratet ihr anderen Familien, die lange im Ausland waren und nach Deutschland zurück ziehen?

Es kommt wahrscheinlich darauf an, ob man zwischendurch viel Kontakt mit der alten Heimat hatte. Wir hatten das sehr regelmäßig und hatten dadurch einen sehr einfachen Rückzug.

Die alte Heimat hat sich nur wenig weiterentwickelt und man selber sehr viel. Es fällt daher nicht immer leicht, sich wieder schnell einzuleben.

Vielen Dank!

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