Traurig in London

Ein entzündetes Teelicht für ein verstorbenes MädchenSeit Tagen lässt mich die folgende Geschichte nicht los. Und nicht nur mich, sondern unsere gesamte Nachbarschaft ist geschockt und sehr betroffen:

Letzten Freitag kam eine Mail an alle Eltern der Schule der Schnatterente. Solche „Parent-Mails“ kommen fast täglich, allerdings verhieß der Betreff nichts gutes, der so lautete: „Sad News“.“

Ich dachte, vielleicht geht eine Lehrerin oder fällt wegen einer längeren Krankheit aus oder eine pensionierte Lehrkraft ist verstorben etc.

Zu lesen bekam ich allerdings eine andere Nachricht, nämlich dass eine ehemalige SCHÜLERIN nach einer plötzlichen, schweren Krankheit letzte Woche „peacefully“ verstorben sei. Die Eltern, zwei Geschwister die auch auf der Schule waren, aber schon quasi erwachsen sind und die zahlreichen Freunde und Bekannte würden sehr um diese lebensfrohe junge Frau trauern, die Lehrerin werden wollte und mehrere Praktika in ihrer alten Schule absolviert hatte.

Die Schulleiterin bat um das Verständnis der Eltern, dass viele Lehrer am Montag der Trauerfeier beiwohnen werden und geregelter Unterricht erst im Laufe des Vormittags beginnen würde.

Ich dachte mir zunächst: Die armen Eltern und Geschwister! Wie schlimm das sein muss, ein gesundes erwachsenes Kind wegen einer plötzlichen Krankheit zu verlieren.

Bis ich noch mal genauer nach den angegebenen Namen der Betroffenen guckte und mir plötzlich dämmerte, dass das die liebenswerte Familie sein muss, die ich vom Sport kenne! Sowohl die Mutter als auch die verstorbene Tochter waren regelmäßig anwesend! Und beide sind einfach Persönlichkeiten, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber auf eine sehr angenehme Art und Weise: Immer gut gelaunt mit einem Strahlen im Gesicht, hoch motiviert, unheimlich kommunikativ und freundlich. Einfach Menschen, die man auf Anhieb ins Herz schließt!

Als ich realisiert habe, dass ich mich nicht irren kann, lief es mir eiskalt den Rücken runter und ich konnte das ganze Wochenende kaum an etwas anderes denken! Ich bin eine ganze Zeit lang täglich an dem Haus der Familie vorbeigegangen und die Schnatterente hat jedes Mal gesagt, dass in dem Haus mit der lila Tür die „XYZ“ wohnt. Und sich nun vorzustellen, was die letzten Wochen in dem Haus vor sich gegangen sein muss, ist einfach nur schrecklich! Das Mädchen war so etwas von einer fröhlichen Persönlichkeit! Sie hatte immer Freundinnen um sich herum und war wahnsinnig beliebt. Ich kenne einige Familien, wo sie gebabysittet hat und jene Kinder, die sie betreut hat, haben sie einfach abgöttisch geliebt.

Das war so unbegreiflich für mich, das ich bei Facebook nach Antworten gesucht habe, woran sie verstorben ist. Auf der Facebook Seite der Mutter fand ich dann auch die Ursache und war darauf hin noch geschockter, weil es sich um eine seltene Erbkrankheit handelte! Ich weiß nicht, ob die anderen Kinder den selben Gendefekt haben und scheinbar spielte auch eine Verkettung unglücklicher Umstände eine Rolle beim Ausbruch der Krankheit. Man kann jetzt nach Bekanntwerden des Gendefekts wirklich nur hoffen, dass das der einzige Verlust bleibt, den diese so sympathische Familie zu betrauern hat!

Von einer Nachbarin der Familie habe ich nun erfahren, dass das Mädchen selbst höchstwahrscheinlich nach der ersten Operation gar nicht mehr aufmerksam genug war, mitzubekommen, wie es um sie steht. Der Kampf im Krankenhaus hat insgesamt fast 50 Tage gedauert, aber sie war wohl schon sehr schnell in einem sehr schlechten geistigen und körperlichen Zustand, was bedingt war durch die ganzen Behandlungen und Therapieversuche. Das finde ich fast ein wenig beruhigend, denn sich vorzustellen, dass sie als junger und bis dato kerngesunder Mensch mit den tollsten Zukunftsplänen und -aussichten plötzlich erfährt, dass sie in wenigen Tagen sterben wird, muss das schlimmste sein, was man sich vorstellen kann.

Als Mutter wäre das schlimmste, was ich mir vorstellen kann, dass eines meiner Kinder in jungen Jahren stirbt. Ich denke, das geht allen Müttern und Vätern so. Man will seine eigenen Kinder aufwachsen und sie auf ihren eigenen Füßen stehen sehen. Miterleben, wie sie sich verlieben und möglicherweise eine eigene Familie gründen und so weiter. Dass das nun dieser lebenslustigen Bekannten auf so tragische Weise entrissen wurde, macht mich sehr traurig und lässt mich an meiner eigenen Auffassung zweifeln, dass nichts ohne einen guten Grund passiert…

Ich bete so gut wie nie, aber in diesem Fall bitte ich alle höheren Mächte der Welt diese sympathische Familie nach dem furchtbaren Schicksalsschlag zu beschützen!

Eure Uta x

Ein Gedanke zu „Traurig in London

  1. Ach Mensch… das klingt so schrecklich. :/ Ich habe neulich auch durch Zufall von einer Freundin mitbekommen, dass wiederum ihre Freundin eine Tochter mit 5 Jahren hat, die an Nierenkrebs erkrankt ist. Ich kenne sie nicht, aber das allein geht mir schon sehr sehr nah.

    Die Welt ist manchmal sehr ungerecht.

    Melancholische Grüße zum Montag.

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