Wie lebt es sich mit dem Terror Threat Level „Critical“ in London

Zug in London

Wir leben in London in einer Weltmetropole und in Zeiten, wo die Terrorgefahr grundsätzlich hoch ist. Das terror threat level „critical“, das letztes Wochenende nach dem Bombenanschlag auf die Londoner U-Bahnlinie District Line verkündet wurde, hat uns dennoch sehr in unserem Sicherheitsgefühl verunsichert. Und dafür gibt es gleich ein paar Gründe.

Wir wohnen nicht im Zentrum und hier draußen passieren bestimmt keine Anschläge

Wir wohnen im Südwesten von London in Zone 3. Da geht es morgens selbst in der Rush Hour noch relativ gemütlich zu und man bekommt fast immer einen Sitzplatz in den U- und S-Bahnen. Natürlich füllen sich die Waggons mit jeder Haltestelle extrem schnell und so stehen sich schon nach 2-3 Stationen die Menschen gegenseitig auf den Füßen.

Seit nach dem Anschlag in Manchester das terror threat level in UK erhöht wurde, fühle ich mich in solchen morgendlichen Menschenansammlungen nicht mehr sehr wohl. Auch deshalb war ich ziemlich froh als ich den Job gewechselt hatte und nicht mehr jeden morgen (oder 3x die Woche in meinem Fall) mit der Northern Line nach Angel – mitten in die Stadt – fahren musste.

Mein neues Büro liegt im Westen von London. Die ersten Wochen bin ich immer – je nach Abfahrtsbahnhof – 3 oder 4 Stationen mit der District Line gefahren, aber noch bevor es so richtig voll wurde, wieder ausgestiegen. Ab Putney Bridge konnte ich nämlich gut mit meinem Tretroller in knapp 20 Minuten bis nach Hammersmith scootern.

Mulmiges Gefühl nach den Terroranschlägen in London

Wie man es erwarten musste, ist natürlich auch einmal etwas in London passiert. Und zumindest uns hat es nicht gewundert, dass die Anschläge auf der London Bridge und dem Borough Market so zentral gelegen geschehen sind. Wenn, dann sind wir davon ausgegangen, dass etwas im Zentrum passiert, wo es generell immer voller „glücklicher“ Menschen ist, die gerade Urlaub machen oder ihren Feierabend genießen.

Der Ordnungshüter hat nach dem damals gestiegenen Terror Threat Level auch kurz mal überlegt, wie er zur Arbeit in die Stadt fahren kann und dabei möglichst wenig mit der Bahn fahren muss. Er kann zwar die letzten 2 Stationen laufen, statt noch einmal umzusteigen, aber ganz ohne Zug kommt er einfach nicht in die Stadt. Diese Tatsache löste schon am Anfang ein etwas mulmiges Gefühl aus. Aber irgendwie gewöhnt man sich ja schnell auch wieder an neue Situationen – auch vermeintliche Gefahrensituationen – und nachdem dann auch lange nichts mehr passiert war, empfanden wir den Arbeitsweg des Ordnungshüters nicht mehr als sehr kritisch.

Gerade noch gesagt, dass auf meinem Weg ja nichts passiert…

Letzten Donnerstag gab es bei mir im Büro After-Work-Drinks und ich habe mich mit einem Kollegen über unseren „Commute“ zur Arbeit unterhalten. Weil ich mir durch das Tretroller fahren eine Entzündung in der Ferse zugezogen habe (JA: An dieser Stelle möchte ich alle warnen: Wenn ihr viel mit dem Tretroller fahrt, achtet auf Schmerzen und lasst es sofort sein, falls ihr Schmerzen bekommt!), bin ich schon vor den Sommerferien aufs Fahrrad umgestiegen. Da tut zum Glück die Ferse nicht weh. Allerdings muss ich seit dem Magnesium ohne Ende futtern, weil ich sonst durch die täglichen ca. 20km Fahrradfahren ziemlich Probleme mit Krämpfen bekomme.

Trotz der allgemeinen Bekanntheit, dass Fahrradfahren in London nicht gerade ungefährlich ist und es immer mal wieder Todesopfer unter Fahrradfahrern gibt, ist das Gefühl, nicht in eine Bahn zu müssen, für mich sehr beruhigend. Ich denke, wenn man umsichtig Fahrrad fährt und die „Unaufmerksamkeit“ anderer Verkehrsteilnehmer einkalkuliert, ist man auch auf Londons Straßen mit dem Fahrrad sehr sicher. Wobei ich gerade letzte Woche auf einem Waldweg von einem verrückten Köter vom Fahrrad geholt wurde, der mir plötzlich vor den Reifen gesprungen ist. Naja, wir haben es beide mit einem ordentlichen Schrecken weggesteckt 😉

Auf jeden Fall habe ich zu dem Kollegen gesagt, dass mir das Fahrradfahren auch wegen der Gefahr von Terroranschlägen lieber ist, obwohl ich nicht glaube, dass solche bei uns da draußen geschehen. Tja, der Freitag hat leider anderes bewiesen…

Unser erster Flug ohne Kinder

Ausgerechnet stand an dem Tag auch noch eine Wochenendreise zu einer Hochzeit an. Wir sind das erste mal überhaupt ohne Kinder geflogen. Für die Kids kam netterweise unser altes Au Pair nach London, um am Wochenende aufzupassen. Schon vorher fand ich die Tatsache nicht so schön, dass wir beide fliegen. Ich habe jetzt nicht groß Flugangst, aber wenn was passiert, wäre es mir lieber, wenn ein Elternteil nicht im Flugzeug sitzen würde. Das sind vielleicht komische Gedanken, aber an sowas muss ich irgendwie unweigerlich denken. Vielleicht sollte ich mich mal einer Therapie unterziehen, dass ich aufhöre, auch nur einen Gedanken an das zu verschwenden, was alles Schlimmes passieren kann 😉

Mein Glück war dann eigentlich, dass alle diese Schwarzseher-Gedanken durch die Tatsache verdrängt wurden, dass wir viel zu spät losgeflogen sind und daher eigentlich schon bei Abflug klar war, dass wir den Anschlussflug nach Innsbruck verpassen würden. Diese Tatsache inklusive dem Stress, wie wir es irgendwie noch rechtzeitig zur Hochzeit schaffen könnten, hat mich davon abgehalten mir Gedanken darüber zu machen, dass das Flugzeug abstürzen und damit unsere Kinder von einer auf die andere Sekunde zu Vollwaisen werden könnten. Die restliche Anreise verlief nicht gerade viel besser und auf der Rückreise war ich viel zu ko um auch nur irgendwas zu denken – also auch keine komischen Gedanken.

Der Täter läuft noch frei herum – vielleicht in unserer Gegend?

Das andere war, dass wir uns auch etwas um unsere zu Hause gebliebenen Kids sorgten. Immerhin ist es wahrscheinlich gewesen, dass der Attentäter in einer der U-Bahnstationen in unsere Nähe eingestiegen ist und da der ja zunächst nicht geschnappt wurde und dieses terror threat level critical ja bedeutet, dass ein Anschlag unmittelbar bevorsteht, fühlte es sich nicht gut an, dass wir „in Sicherheit“ waren, während der Attentäter sich in der Nähe unserer Kinder befinden könnte. Sehr beruhigt waren wir dann über die Nachricht, dass sie den Hauptverdächtigen ausfindig gemacht und verhaften haben.

Ich bin eigentlich grundsätzlich nicht so der größte Schisser, was Angst vor Terroranschlägen angeht. Und denke auch, dass man nirgendwo 100% sicher ist, wenn man sich nicht gerade in seiner Wohnung verbarrikadiert. In Großstädten natürlich noch weniger als auf dem Land und das höhere Risiko nehmen wir in Kauf, weil wir lieber in der Stadt als auf dem Land leben.

Aber irgendwie bin ich auch wegen der Kids schon viel vorsichtiger und muss nicht unbedingt dort hin, wo es große Menschenansammlungen gibt. Auch wenn ich es sehr gut finde, dass viele sich von den Geschehnissen nicht einschränken lassen und ihr Leben wie gehabt leben.

Doll einschränken muss ich mich aber zum Glück auch gar nicht, denn irgendwie hat es mich noch nie zu Großveranstaltungen wie riesen Silvesterparties, Love Parades oder Fanmeilen hingezogen 😉

Eure Uta x

 

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