Unsere Erfahrung mit Neugeboreneninfektion – Eine Erfahrung die wir uns gerne gespart hätten

Transportinkubator wegen Neugeboreneninfektion

Die Schwangerschaft und die Geburt unseres dritten Kindes verlief absolut unkompliziert. Das Baby war da, gesund und munter und ich wäre gerne so wie damals bei der Zweitgeborenen gleich nach Hause gegangen  Von der Gefahr einer Neugeboreneninfektion wegen des grünen Fruchtwassers hatte ich bis dato noch nichts gehört. Aber genau wegen des grünen Fruchtwassers (im Mutterpass stand hinterher „dick grün“) ließen sie uns nicht nach Hause gehen sondern wir sollten 48 Stunden zur Überwachung da bleiben. Ok, was solls habe ich mir gedacht. Wird ja nichts passieren, der Kleine ist gut drauf, will trinken, kackert und pullert – alles super. Aber wir blieben natürlich und so bekamen wir am Tag der Geburt von der Familie im Krankenhaus Besuch, anstatt dass wir mit Neugeborenem nach Hause kamen.

Die erste Nacht wurde viel geschrien

Nachdem der erste Lebenstag unauffällig verlief (außer, dass es sehr heiß war und alle am Schwitzen waren), war die erste Nacht nicht so, wie ich es von den Schwestern kannte: Obwohl der Kleine offensichtlich beim Stillen schluckte und ausreichend Kolostrum da war, hat er die ganze Nacht sehr viel geschrien. Und selbst Herumtragen hat ihn nicht wirklich beruhigt. Das fand ich schon etwas komisch und erst da fiel mir auch auf, dass er bis dahin fast noch nicht die Augen aufgemacht hatte. Wobei ich beides nicht beunruhigend genug fand, um nachzufragen.

Bei der Kontrolle durch eine Schwester am nächsten Morgen zeigte sich eine leicht erhöhte Temperatur. Diese schien uns beiden bei den heißen Außentemperaturen aber auch erstmal nicht verwunderlich und ich sollte ihm etwas abgekochtes Wasser geben.

„Schauen Sie doch, die Atmung – der zieht doch die Rippen ein“

Nach Schichtwechsel der Schwestern kam eine recht herb rüberkommende ältere Schwester mit strengem russischen Akzent zur Kontrolle. Zunächst wurde ich angepflaumt, wieso ich dem Kind Wasser geben würde. Nach meiner Erklärung meinte sie, dass das nicht nötig sei. Schon beim ersten kurzen Besuch wies sie mich an, doch mal hinzuschauen, denn der Kleine würde beim Atmen doch die Rippen so stark einziehen.

Ich fand das nicht so wahnsinnig auffällig, aber ich bin ja auch nicht medizinisch geschult. Bei ihrer zweiten Visite hat sie seine Temperatur gemessen und der vorherigen Zugabe von Wasser zugestimmt, weil sie immer noch erhöht war. Sie forderte mich wieder auf, mir doch die Atmung anzuschauen. Es gefiele ihr gar nicht. Sie führte das aber nicht weiter aus und fragte auch nicht nach, was sie denn befürchtete weil ich zu dem Zeitpunkt noch das Gefühl hatte, dass es dem Kleinen absolut gut geht.

Einzig fand ich es weiter etwas auffällig, dass er bis dahin noch immer die Augen zu hatte.

Wir möchten Ihrem Kind doch lieber mal Blut abnehmen

Am frühen Nachmittag hatte die russische Schwester wohl endgültig Alarm geschlagen, denn da hieß es, dass sie dem Kleinen Blut abnehmen wollen um eine Infektion auszuschließen. Und selbst da war ich noch entspannt, ging es ihm doch in meinen Augen weiter gut.

Eine Stunde später stand eine der Frauenärztinnen im Zimmer und sagte gleich, dass sie keine guten Neuigkeiten hat: Der Entzündungswert ist sehr hoch, der Kleine hat die Neugeboreneninfektion und muss mit Antibiotikum behandelt werden. Da das Krankenhaus Havelhöhe, in dem ich entbunden habe, keine Kinderstation hat, hat sie bereits die Verlegung ins Waldkrankenhaus in Spandau veranlasst.

Obwohl ich von der Neugeboreneninfektion noch nichts gehört hatte, klang Verlegung wegen fehlender dauerhafter Kinderarztbetreuung beängstigend. Schon in den nächste 90 Minuten wollte eine Kinderärztin aus dem anderen Krankenhaus ihn abholen kommen. Nun wurde ich noch gefragt, ob ich entlassen oder selbst auch verlegt werden möchte: Rooming-in auf der Wöchnerinnenstation oder Kinderstation, kein Rooming-in, Entlassung, Verlegung, Krankentransport,…

Von dieser ganzen Diskussion darum habe ich nur noch die Hälfte mitbekommen, weil die Tatsache, dass mein Baby so krank ist, dass es verlegt werden muss, mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Ich gab lediglich zu verstehen, dass ich bei ihm sein will und dass sie bitte im Waldkrankenhaus nachfragen soll, wie das am besten zu bewerkstelligen ist.

Um Fassung ringend konnte ich meinem Mann am Telefon kaum genaue Auskunft geben, außer dass das Baby ins Waldkrankenhaus in Spandau verlegt werden muss und er sofort kommen soll. Zum Glück war unser altes liebes Au Pair gerade zu Hause zu Besuch bei den beiden Großen und blieb in dieser Notsituation wie selbstverständlich bei den Mädels.

Der nächste Schock: Die Abholung mit vier Mann

Von dem Auftritt der Mannschaft aus dem Waldkrankenhaus war ich echt erschrocken: 2 Fahrer in Uniform, die den Transport-Brutkasten schoben, der mit allem möglichen Überwachungsgeräten ausgestattet war, was ich beängstigend fand. Zudem die Kinderärztin und eine Schwester mit 2 großen Taschen voll Equipment, die nicht hektisch, aber dennoch sehr um Eile bemüht waren.

Sie untersuchten den Kleinen direkt vor Ort und weil sie einen Zugang legen wollte, sollte ich mich lieber in etwas Entfernung hinsetzen. Der Kleine schrie wahnsinnig und hörte überhaupt nicht mehr auf. Direkt dort spritzen sie bereits das erste Antibiotikum über den Zugang und hängten das zweite zum Durchlaufen an, was innerhalb von einer Stunde ganz langsam verabreicht wurde.

Zur Überwachung von Herz und Atmung wurden 3 Elektroden auf die Brust geklebt und die Sauerstoffsättigung über ein Kabel am Fuß kontrolliert. So verkabelt und immer noch schreien wurde mein Baby wie oben auf dem Foto zu sehen in den furchtbaren Kasten gelegt, dort festgeschnallt und weggeschoben.

Es hat mir schier das Herz zerrissen, ihn so von mir abtransportiert zu sehen! Zumal ich aus Platzmangel nicht mit im Krankenwagen fahren durfte, sondern alleine zurück blieb. Wenigstens konnte mein Mann mit unserem Auto hinterherfahren. Leider durfte ich wegen der Verlegung auch nicht in einem Privatauto von A nach B fahren und so musste ich noch fast eine Stunde auf meinen eigenen Krankentransport warten.

Ich war echt fertig und die Blicke der Wöchnerinnen, die Teile des Geschehens mitbekamen, halfen genau so wenig wie das zwanghaft fröhliche Gespräch, das mir der Mitarbeiter vom Krankentransport auf dem Weg ins Waldkrankenhaus zur Aufmunterung aufdrücken wollte…

Viel später erfuhr ich erst von meinem Mann, dass sie unser Baby sogar mit Blaulicht ins andere Krankenhaus gefahren haben! So eilig war es also!

Nach einer mir endlos vorkommenden Fahrt zum Waldkrankenhaus wollte mir die diensthabende Ärztin auf der Wöchnerinnenstation, wo ich erst einmal hingebracht wurde, genau erklären, was sie mit mir in den nächsten Tagen vorhaben. Ich bin wirklich selten unhöflich zu Fremden, die es gut mit mir meinen. Aber dieser Dame musste ich dann doch nach 2 Minuten erklären, dass mich das jetzt grad herzlich wenig interessiert und ich einfach nur zu meinem Baby will! Mein Mann war ja zum Glück kurz nach der Ankunft des Kleinen auch auf der Intensivstation angekommen und konnte mir schon einiges an Auskünften weitergeben:

Bei der Neugeboreneninfektion, unter der auch unser Baby litt, befinden sich die Erreger im Blut, es liegt also eine Blutvergiftung vor, die potentiell auf jedes Organ übergehen kann und unbehandelt sehr wahrscheinlich zum Tod des Neugeborenen führt. Daher ist es so wichtig, so schnell wie möglich mit der Antibiotika-Behandlung zu starten. Die Babies werden regelmäßig abgehört und das Gehirn per Ultraschall auf mögliche Hirnblutungen untersucht, die bei Neugeboreneninfektion gehäufter auftreten. Die niedrige Sauerstoffsättigung und die Atemsymptomatik (das Einziehen der Rippen) weißt auf eine Beteiligung der Lunge hin, welches aber auch schnell durch das Antibiotikum besser werden sollte.

Außerdem konnte mir mein Mann zum Beispiel auch das Hygiene-Protokoll auf der Intensivstation erklären: Uhren und Schmuck ab, Hände desinfizieren, Hände inklusive Unterarme waschen, noch mal desinfizieren. Wickeln nur mir Handschuhen und Schürze.

Erst da wurde mir so richtig bewusst, wie ernst die Neugeboreneninfektion eigentlich ist

Ich fühlte mich wie im falschen Film: Gestern hatten wir ein gesundes Neugeborenes Willkommen geheißen, der Familienbesuch hat es geküßt, gedrückt und geknuddelt und nur 24 Stunden später haben wir ein sehr krankes Neugeborenes, das wir nur nach ordentlicher Desinfektion berühren dürfen und das in einem geschlossenen Inkubator liegt! Das habe ich so dermaßen null erwartet mit einem reif geborenen Baby!

Weil die Sauerstoffsättigung nach Ankunft nicht optimal war, bekam der Kleine extra mit Sauerstoff angereicherten Sauerstoff in seinen deshalb geschlossenen Brutkasten und so lag er da, als ich ankam.

Der erste Anblick war ein echter Schock! Er lag da so ruhig und kam mir so angeschlagen vor. Dieser Monitor über seinem Bett, welcher Linien für seinen Herzschlag, die Atemfrequenz und die Sauerstoffsättigung aufzeichnete, und der immer mal einen orangen Alarm von sich gab, war sehr beunruhigend. Wobei beim orangen Alarm das Personal nur kurz auf den Monitor schaut und zumindest immer wenn ich da war, nicht weiter reagiert hat. Der orange Alarm ist eben so eingestellt, dass noch kein direkter Eingriff nötig ist und es scheint eher normal, dass sich einer der Werte mal im orangen Bereich befindet. Während ich nach wie vor irgendwie unter Schock stand, verstand das Team auf der Station es sehr gut, mir langsam meine Angst zu nehmen. Sie nahmen sich viel Zeit mir zu erklären, wie es weitergeht und haben mit einer Engelsgeduld alle meine Fragen beantwortet.

Ich durfte den Kleinen auch streicheln, habe dann allerdings irgendwann meine Hand von selbst wieder rausgezogen, als der Sauerstoffsättigungswert (durch die offene Klappe?) in den orangen Bereich gerutscht war. Der Kinderpfleger blieb allerdings total entspannt und meinte ich könne ihn ruhig weiter streicheln, man würde sehen, wie beruhigend das auf den Kleinen wirke. So saß ich erstmal noch eine Weile beim Baby und habe irgendwie versucht, das Geschehen des Nachmittags und Abends zu begreifen.

Irgendwann war es schon ziemlich spät und ich musste unbedingt noch eine Milchpumpe holen und dringend mit dem Abpumpen anfangen. Und so ließ ich den Kleinen mit gemischten Gefühlen „allein“ auf der Neo-Intensivstation zurück: Einerseits erleichtert, dass er nun optimal versorgt und überwacht wurde, andererseits sehr traurig, dass er die Nacht nun ganz alleine in dem Kasten verbringen musste.

Das tun, was ich in der Situation fürs Baby tun kann

Da ich meinem Kleinen nach der für ihn ja auch sehr anstrengenden Tortur erst einmal Ruhe gönnen wollte, tat ich aus das, was ich in dem Moment für ihn tun konnte: Den Milchfluss in Gang bringen. Und so habe ich abends und nachts mehrfach Muttermilch abgepumpt. Obwohl der Milcheinschuss noch nicht da war, bekam ich dank der elektrischen Milchpumpe einige Milliliter abgepumpt und konnte die Milch auf der Intensivstation abgeben, damit sie diese zuerst füttern und dann erst mit Fertigmilch nachfüttern. Dass ich mich beim Abpumpen wie eine Kuh beim Melken gefühlt habe, war in der Situation völlig nebensächlich.

Der erste Morgen auf der Intensivstation

Nach einer kurzen Nacht war ich schon sehr früh wieder beim Baby. Eine total nette Schwester empfing mich freudig, sagte, dass sie dem kleinen die Reste des grünen Fruchtwassers, das noch in sämtlichen Falten und den Haaren klebte – so gut es ging – entfernt hatte und ich ihn gerne mal anlegen könnte, weil er eh gerade wach wäre.

Ich darf ihn anlegen?!?

Ich war total überrascht und wahnsinnig froh, dass ich ihn stillen durfte, auch wenn ich viel Respekt vor den Kabeln hatte, die ich mit ihm auf dem Schoß hatte. Und ich hatte Angst, dass sein Sauerstoffsättigungswert gleich wieder absackt, sobald er normale Luft atmete. Aber siehe da, dieser blieb auch außerhalb des Kastens im grünen Bereich und wir genossen das Stillen Kuscheln und noch mehr Stillen sehr! Die Schwester drosselte danach auch die Zufuhr an extra Sauerstoff im Inkubator und sie machte am Ende ihrer Schicht noch mal einen Test und beschloss, dass kein zusätzlicher Sauerstoff mehr nötig war.

Ich war an dem Tag fast den ganzen Tag auf der Intensivstation und habe einfach nur mit meinem Kleinen gekuschelt und war bei ihm. Er hatte auch schnell wieder reichlich Interesse an der Brust und man hörte und sah, wie er schluckte.

Auch wenn ich bei den anderen beiden jeweils solch abrupte Milcheinschüsse hatte, dass ich ziemlich starke Schmerzen und zwei Melonen mit mir rumschleppte, passierte das diesen Mal nicht. Vielleicht weil ich zwischendurch auch noch mal abgepumpt hatte. Ich merkte den Milcheinschuss lediglich daran, dass der Kleine länger trank und öfter schluckte.

Wir machten an dem Nachmittag eine sogenannte Stillprobe, bei der der Kleine vor und nach dem Stillen gewogen wurde und siehe da, es war ein Unterschied von plus 60g, was die Schwester kaum glaubte.

So einigten wir uns auch darauf, dass mich die Nachtschicht anrufen sollte, wenn der Kleine Hunger hat, damit ich zur anderen Station rüberlaufen und ihn stillen konnte. In der Nacht wurde ich, obwohl der Kleine jeweils lange trank und definitiv auch viel getrunken hat, einige Male geweckt: Der total nette Kinderkrankenpfleger konnte mein hungriges Baby nicht beruhigen und war selbst verwundert über dessen gesunden Appetit 🙂

Ich war einfach nur so erleichtert über die schnelle Besserung des Kleinen, dass ich mich locker auch die ganze Nacht auf den etwas unbequemen Stuhl zum Stillen hingesetzt hätte!

Weil alles so gut aussah und der Kleine auch schon wieder zunahm, wurde bei der Visite am 2. Morgen beschlossen, dass er von der Intensivstation entlassen werden und wir gemeinsam auf die Kinderstation verlegt werden konnten. Was für eine Erleichterung!!!

Ich wurde offiziell von der Wöchnerinnenstation „entlassen“ und war anschließend als Begleitperson mit auf der Kinderstation. Bis zum Ende der Antibiotika-Therapie von insgesamt 10 Tagen mussten wir dort bleiben.

Die Sache mit den Zugängen bei Neugeborenen

Da die beiden Antibiotika bei Neugeborenen intravenös gegeben werden und diese Zugänge bei den ganz Kleinen oft nur eine kurze Haltbarkeitsdauer haben, muss man für die komplette Therapie im Krankenhaus bleiben. Der erste Zugang an der Hand hielt nur 24 Stunden. Als ein neuer gelegt werden musste, kam ich gerade zur Intensivstation und wurde gebeten, draußen zu warten. Durch zwei geschlossene Türen hörte ich meinen Kleinen herzzerreißend schreien! So schrill hatte ich vorher noch nie ein Baby schreien hören 🙁

Dieser Zugang wurde in den Fuß gelegt. Ab da war meine größte Sorge und erste Frage, wenn vor der Antibiotikagabe mit etwas Kochsalzlösung die Durchlässigkeit des Zugangs getestet wurde, ob der Zugang noch funktioniert!

Leider hielt auch der zweite Zugang nur 1,5 Tage. Als dann erneut ein Zugang gelegt werden musste, wollte ich zur Beruhigung des Kleinen dabei bleiben. Die junge Ärztin wollte den Zugang in eine Vene am Kopf legen, weil beide Hände und Füße von Zugängen oder den Versuchen, diesen zu legen und von Blutabnahmen schon völlig zerstochen waren 🙁

Von einer supernetten Schwester aus der Intensivstation wusste ich, dass der Zugang am Kopf für die Babies am schmerzlosesten ist und diese meistens auch besser halten, weil da einfach weniger Bewegung ist. Daher fand ich dieses Vorhaben nicht so schlimm. Allerdings war mir bis dahin nicht klar, dass nicht jeder Versuch klappt. Die Ärztin versuchte es an 3 verschiedenen Venen am Kopf, jeweils etwas oberhalb der Stirn. Erstaunlicherweise hat der Kleine das Gepiekse zunächst ziemlich entspannt mitgemacht (1-2 Tropfen Glucoselösung wirken Wunder). Nach dem dritten vergeblichen Versuch reichte es aber dann doch allen Beteiligten und die erfolglose Ärztin sprang auf um eine andere Ärztin zu holen.

Interessanterweise gab diese ihm nicht vorher die Glucoselösung und bat mich auch, ihn nicht zu beruhigen, weil sie die Vene besser trifft, wenn sie sich durchs Schreien des Babies vergrößert. Auch wenns nicht so schön war, ging die Strategie auf und sehr schnell war der Zugang gelegt und der Kleine Dank anschließendem Tropfen der Zuckerlösung wieder beruhigt.

Er bekam zum Schutz des Zugangs ein Netz-Mützchen auf den Kopf. Und das bei der Hitze!

Neugeborenes bei Antibiotikainfusion über den Kopf

Die übrige Behandlung der Neugeboreneninfektion

Der Zugang am Kopf hielt sage und schreibe bis zum Ende. 7 Tage wurde einmal am Tag das Antibiotikum Gentamicin verabreicht und 2 Mal täglich ein weiteres Penicillin für 10 Tage. Das sei die international anerkannte Standardtherapie erklärte man mir. Diese Kombination von zwei Antibiotika killt laut Aussage der Kinderärzte 95% der Bakterien, die die Neugeboreneninfektion auslösen. Da der Entzündungswert so hoch war, dass es sehr wahrscheinlich war, dass sich das Baby schon im Bauch angesteckt hat, hatte ich mehrfach bei verschiedenen Kinderärzten die mit uns zu tun hatten, nachgefragt, ob sie nicht bei mir auf die Suche nach dem Auslöser gehen wollen. Sie können den Neugeborenen nicht genug Blut abnehmen, um den Erreger sicher zu finden. Daher meine Idee, doch mein Blut zu untersuchen. Aber das wäre wegen der Gabe des breit angelegten Antibiotikums gar nicht nötig und es ist auch egal, was es am Ende für ein Erreger ist oder woher es kam – so die Aussage der Ärzte.

So blieb die Frage, woher die Infektion kam, leider unbeantwortet. Einen Streptokokkentest hatte ich 3 Wochen vor Geburt gemacht, aber da wurde nichts gefunden. Das wichtigste war aber natürlich, dass das Antibiotikum angeschlagen hat und alles soweit gut aussah.

Zugang im Kopf bei Neugeborenem

Zur Vermeidung, dass sich der Kleine wegen des Antibiotikums einen Pilz einfängt, bekam er oral ein Medikament, das ihm ziemlich gut zu schmecken schien 🙂 Außerdem wurde im Krankenhaus auch noch die U2 gemacht sowie ein Hüftultraschall und ein Hörtest mit einem Gerät, das die Hirnströme misst und genauer ist als das, das üblicherweise für Neugeborenenhörtests verwendet wird. Das machen sie standardmäßig bei Kindern mit Neugeboreneninfektion, weil das Gentamicin die Haarzellen des Innenohrs irreparabel schädigen kann. Laut Wikipedia treten bei 1-3% der Patienten Hörschäden auf. Als ich davon erfahren habe, habe ich die verschiedenen Schwestern wuschig gemacht mit meinen Fragen rund um Gentamicin und die Wahrscheinlichkeit, dass mein Sohn Hörschäden davon übrig behält. Sie haben nur am 2. oder 3. Tag den Gentamicin Spiegel kontrolliert und ich hab immer mal nachgefragt, ob man den nicht weiter kontrollieren müsse, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Erst als eine junge Schwester extra für mich recherchiert hat und sagte, dass sie im Waldkrankenhaus noch keinen Fall von Hörschäden miterlebt hat und ihre deutlich erfahrenere Kollegen ebenso wenig, hat mich das beruhigt. Scheinbar wissen sie also, was sie machen denn sie haben oft Babies mit Neugeboreneninfektion im Haus. Ein Arzt sagte mal, dass ca. jedes zweite Baby auf der Neo-Intensiv deswegen dort wäre.

Zum Glück war der Test unauffällig und so konnten wir mir einem gesunden Baby 11 Tage nach der Geburt am Tag der Hochzeit meiner Schwester das Krankenhaus verlassen und sogar noch die Hochzeit mitfeiern!

Resümee über unsere Erfahrung mit Neugeboreneninfektion

Dass unser Baby so kurz nach der Geburt an der Neugeboreneninfektion erkrankt ist, war alles andere als schön und hat uns alle ganz schön aus der Bahn geworfen. Dank der super Betreuung im Krankenhaus und der raschen und sichtbaren Besserung des Kleinen waren die größten Sorgen nach wenigen Tagen zum Glück schon fast vergessen. Wir haben wirklich einfach sehr viel Glück gehabt. Zum Beispiel auch, dass der Kleine einen so guten Appetit hatte und dadurch die mega Hitze auch gut verkraftet hat. Außerdem war es ein Glücksfall, dass wir in Berlin und nicht in London waren. Dort hätte ich längst nicht so viel beim Baby sein können, wie eine Freundin zumindest vor 8 Jahren erleben musste. Und außerdem konnte mein Mann mit der Unterstützung meiner Familie die beiden Großen zu Hause ganz gut ohne mich wuppen, auch wenn sie mich und den Baby-Bruder sehr vermissten.

Auch wenn wir „gesund“ entlassen wurden, machte ich mir auch zu Hause viel mehr Sorgen um ihn und ich schätze, dass wird bei jedem Fieber oder Schnupfen auch weiterhin der Fall sein. So habe ich einige Tage immer noch die Temperatur gecheckt und auch noch Wochen später mal das Thermometer gezückt, wenn er mir etwas warm vorkam. Oder auch immer sehr genau auf die Atmung geachtet. Sehr lange fand ich die manchmal auch etwas auffällig, aber mein Mann beruhigte mich dann und meist war es gleich wieder ganz unauffällig.

Ich wundere mich zwar nach wie vor, dass der Kleine so viel schläft (auch noch mit 8 Wochen). Aber da er in den Wachphasen wirklich sehr wach und ein totales Strahlemännchen ist, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass er einfach gerne schläft. Und außerdem hat er ja in der Regel immer einen ziemlich vollen Bauch und Verdauen kann ja auch soooowas von anstrengend sein 🙂

Fühlt euch gedrückt, falls ihr gerade eine Neugeboreneninfektion durchlebt

Ich hoffe, ich kann mit unserer Erfahrung dem ein oder anderen, der mit einem Neugeborenen wegen einer Infektion auf der Intensivstation landet und hoch und runter googelt, mit diesem Post etwas Mut machen. Es ist wirklich nicht schön, was das Baby alles mitmachen muss und dass man als Mutter oder Vater nicht viel anderes machen kann, als da zu sein. Aber wenn alles normal verläuft wie bei uns, geht man am Ende mit einem kerngesunden Baby nach Hause.

Und was ich auch von allen Seiten im Krankenhaus immer wieder gehört habe, und was ich so schnell nicht vergessen werde:

Wie viele Schmerzen ein Baby auch immer bei den ganzen Untersuchungen und Behandlungen spürt; Solange die Mama da ist und das Baby hinterher tröstet, vergisst es die Schmerzen sofort und umso schneller, wenn es an der Brust getröstet wird. Ich kann das jetzt jedenfalls bestätigen: Muttermilch scheint wie ein Vergessensserum zu wirken!

Eure Uta x

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