Am vergangenen Freitag hatte ich mal wieder das „Vergnügen“! Ein Arztbesuch in London mit der fast Zweijährigen Kuschelmaus stand an, denn: sie wachte mit einem braun-verkrusteten Ohr auf.
Und zwar so richtig. Auch im Bett war deutlich zu sehen, dass da nachts etwas passiert sein musste. Für mich war relativ schnell klar: Da ist vermutlich das Trommelfell gerissen. Allerdings war es schon komisch, denn sie hatte vorher überhaupt keine typischen Anzeichen einer Mittelohrentzündung.
Kein Fieber, Ohrenschmerzen und sie war auch nicht knatschig. Unser AuPair hatte tagsüber auch nichts bemerkt, außer vielleicht, dass sie etwas länger Mittagsschlaf gemacht hat.
Ich war also total überrascht, dass da „im Hintergrund“ eine Entzündung ist.
Also schnell zum Abklären zum Arzt
Das Timing war zumindest „praktisch“, weil ich freitags frei habe. Also habe ich direkt bei unserer GP-Praxis angerufen. (Für alle, die es nicht kennen: In England ist der GP/ Hausarzt der erste Ansprechpartner für alles auch mit Kindern. Einen Kinderarzt sucht man hier nie auf).
Ich musste am Telefon schon mal erklären, warum das Ganze „urgent“ ist. Mir fehlte ehrlich gesagt vor allem die Lust, am Wochenende in der Notaufnahme zu gehen, falls doch noch Schmerzen dazukommen.
Im Behandlungszimmer lief es dann ungefähr so:
Arzt: „Ich kann hier nichts sehen, alles verkrustet. Geben Sie ihr 5 Tage lang 3x täglich Amoxicillin und kommen Sie dann wieder.“
Ich: „Und das andere Ohr?“
Arzt: „Das ist egal – das Antibiotikum wirkt auch dort.“
Ich: „Sie hat bisher weder Schmerzen noch Fieber.“
Arzt: „Geben Sie trotzdem Nurofen. dann geht es ihr besser.“
Nach etwa 3 Minuten waren wir wieder draußen. Ein relativ durchschnittlicher Arztbesuch in England – leider.
Auch nach Tagen nicht viel Besserung
Nachdem sich die Kuschelmaus bei jeder Antibiotikumgabe fast übergeben hat (ich kenne das von der Großen – dieses Amoxicillin mit Bananengeschmack scheinen meine beiden Kinder nicht zu vertragen) schien es auch nicht richtig zu wirken: Das Ohr entwickelte einen strengen Geruch und es suppte auch nach Tagen noch leicht.
Dann doch noch der Termin beim HNO
Dank einer privaten Zusatzversicherung habe ich dann ein paar Tage später einen HNO aufgesucht. Dieser hat dann bestätigt, dass das Antibiotikum nicht wirkt, einen Abstrich gemacht und uns ein anderes Antibiotikum aufgeschrieben. Eines, dass man alle 6 Stunden nehmen musste, also mussten wir sie auch 1x nachts wecken!
Sie hat das tapfer 10 Tage durchgezogen, aber bei der Kontrolle nach 7 Tagen war der Arzt noch nicht zufrieden (das Ohr stank auch noch) und gab uns zusätzlich antibiotische Ohrentropfen. scheinbar hatte der Abstrich auch gezeigt, dass da noch ein Bakterium involviert war, was auch nicht voll von diesem oralen Antibiotikum gekillt wurde.
Nach langen zwei Wochen Behandlung mit unterschiedlichen Antibiotika waren wir das endlich los.
Nachtrag: Später hatten wir dann eine ähnliche Geschichte mit perforiertem Trommelfell beim Bruder. Ich hatte noch die Verpackung der Ohrentropfen, habe mir diese vom GP aufschreiben lassen und siehe da: Auch ohne orale Antibiotika haben wir das geplatzte Trommelfell des Bruders in den Griff bekommen.
Wie wird eine Mittelohrentzündung in Deutschland behandelt?
Ich habe bei meinem alten Arbeitgeber mal eine Symptomanalyse durchgespielt und die folgenden Infos bekommen. Ich kann euch die Symptomchecker App von Ada Health übrigens sehr empfehlen, denn unter anderem hat sie vor 2 Jahren die nicht sehr auffällige tiefe Beinvenenthrombose meines Mannes erkannt (ich bekomme für die Empfehlung nichts).
Hier ist der Text aus der Ada App:
Über die Mittelohrentzündung
Otitis media ist der Fachbegriff für eine Mittelohrentzündung. Wenn Kinder unter dieser Erkrankung leiden, wird sie als pädiatrische Mittelohrentzündung bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Erkrankung, die vor allem bei Kindern unter fünf Jahren vorkommt. Das Mittelohr ist der Teil des Ohres, der nach außen durch das Trommelfell begrenzt wird und dabei hilft, Klänge durch das Ohr zu leiten. Eine Infektion kann durch Viren oder Bakterien verursacht werden. Typische Anzeichen sind Ohrenschmerzen, Fieber, Schwerhörigkeit und Schlafstörungen. Kleinkinder weinen möglicherweise mehr als sonst oder ziehen an ihrem Ohr. Die Behandlung besteht aus Schmerzmitteln und erfordert manchmal Antibiotika. Die meisten Betroffenen entwickeln keine Komplikationen und erholen sich gut nach einer Mittelohrentzündung.
Symptome
Zu den typischen Beschwerden dieser Erkrankung gehören Ohrenschmerzen und Schwerhörigkeit. Kleine Kinder können am betroffenen Ohr ziehen, unter Schlafstörungen leiden und mehr weinen als üblich. Manche Kinder entwickeln auch Fieber, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. In schweren Fällen kann das Trommelfell reißen und Eiter aus dem Ohr austreten.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt normalerweise durch einen Arzt, basierend auf den Symptomen und einer körperlichen Untersuchung. Dabei kann ein Otoskop, ein kleines Gerät zur Untersuchung des Trommelfells, verwendet werden.
Behandlung
Eine Schmerzlinderung wird durch warme Kompressen oder Schmerzmittel (wie Ibuprofen und Paracetamol) erlangt. Bei der Behandlung von Mittelohrentzündungen werden häufig keine Antibiotika benötigt, sie können jedoch Kindern verschrieben werden, die an komplizierten Ohrinfektionen oder anderen medizinischen Beschwerden leiden. Erkrankt ein Kind immer wieder an einer Mittelohrentzündung, kann ein Arzt einen Eingriff empfehlen, um Flüssigkeit aus dem Mittelohr abzuleiten (Myringotomie).
Vorsorge
Allgemeine Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von Erkältungen oder der Grippe sowohl zu Hause als auch im öffentlichen Bereich können dazu beitragen, in einigen Fällen eine Mittelohrentzündung zu verhindern. Kinder sollten keinem Zigarettenrauch ausgesetzt werden.
Die Kuschelmaus hatte da übrigens einen echten Lauf: Als das vorbei war, hat sie sich das Handgelenk bei einem ganz kleinen Sturz gebrochen (Grünspanbruch – nichts dramatisches) und einige Zeit später bekam sie dann doch auch wie ihre große Schwester Paukenröhrchen eigesetzt, weil sie über viele Monate einen Paukenerguss hatte und schlecht hörte. Also tatsächlich haben wir bei ihr nicht soooo lange gewartet wie bei der Großen. Ob das der Grund ist, weshalb sie ein absolut astreines Deutsch spricht während die Große trotz gleicher Umstände noch den ein oder anderen Fehler in der deutschen Sprache hat, wäre echt mal schön zu wissen.
Eure Uta x


huhu,
dasselbe bei uns gestern: das Ohr eiterte. Der Sohn hat seit Februar mit den Ohren zu tun.
Februar: abwarten und Schmerzsaft
März: schlimmer: Antibiotikum
Ruhe
Mai: trommelfell geplatz: kein Antibiotikum, da es dem Sohn gut geht.
Es wird immer vom Zustand abhängig gemacht. AB nur, wenn es nicht anders geht.
Liebe Grüße
Sarah