In England läuft die Jobsuche doch deutlich anders als in Deutschland.

„Hire and Fire“ passiert viel schneller und im Gegensatz zu Deutschland wird es nicht als Nachteil ausgelegt, wenn man öfter mal den Arbeitgeber gewechselt hat. Auch eine „Lücke“ im Lebenslauf, die zum Beispiel durch eine Auszeit entstanden ist, in welcher man um die Welt gereist ist oder irgendwo ein Soziales Jahr gemacht hat, wird einem nie negativ ausgelegt werden. (Also man sollte natürlich schon etwas gemacht haben – auf der Couch rumgammeln ist für potentielle Arbeitgeber vermutlich doch etwas abschreckend).

Im Bewerbungsprozess gibt es einige Besonderheiten zu beachten, die schon beim Lebenslauf, dem sogenannten „CV“ (curiculum vitae) anfängt:

Persönliche Daten gehören in die meisten CVs nicht rein: Keine Angabe von Geburtsdatum oder -ort, keine Angabe zum Lebensstand oder Kinder, kein Foto und bloß keine Angabe zur Religion. Eine Angabe, dass man berechtigt ist, in UK zu arbeiten, kann hingegen positiv sein. Eine Mitarbeiterin einer Jobagentur, mit welcher ich kürzlich zu tun hatte, hat mir den Tipp gegeben, gleich oben im CV in 2-3 Sätzen zusammenzufassen, wie meine Situation ist und was ich suche. Das finde ich eigentlich ganz sinnvoll.

Wenn einem eine Jobanzeige gefällt und man sich darauf bewerben möchte, passiert das eigentlich ausschließlich online. (Eine Übersicht über beliebte Jobsuch-Seiten gibt es hier). Man sollte seinen CV auf die Anforderungen der Jobbeschreibung hin überprüfen und ggf. die ein oder andere Erfahrung etwas „anpassen“.

Neben dem CV, der oft im Word-Format der Bewerbung beigefügt werden soll, gibt es entweder die Möglichkeit, ein Anschreiben („Cover letter“) ebenfalls als Datei anzuhängen oder es gibt ein Feld, in welches man dieses eintragen muss. Hier muss man manchmal seinen Cover letter, der sinnvollerweise immer an die jeweilige Jobanzeige angepasst werden sollte, ganz schön kürzen. Wenn man nur 600 ZEICHEN dafür Platz hat, kann man gerade mal ein paar Sätze unterbringen. Hier gilt es kurz und knapp seine Vorzüge im Bezug auf die Jobanzeige darzustellen. Für höfliche Floskeln ist da meiner Meinung nach der Platz zu schade.

Gefällt dem Unternehmen oder Jobvermittlungsagentur die Online Bewerbung kann es gut sein, dass sie zunächst ein Telefonat führen wollen. Es lohnt sich, seinen CV gut zu „kennen“ so dass man auf alle Frage präzise antworten kann.

Es wird vermutlich immer auch ein richtiges Vorstellungsgespräch vor Ort geben. Meiner Erfahrung nach und wie ich es auch von anderen gehört habe, bringt man auch zu einem solchen Termin keine Referenzen von vorherigen Arbeitgebern mit.

In England ist es sowieso scheinbar eher üblich, dass man den Namen sowie die Emailadresse und eine Telefonnummer vorheriger Arbeitgeber angibt, weil eher dort Rücksprache gehalten wird, als dass auf Zeugnisse vertraut wird. Von den Erfahrungen anderer Deutscher weiß ich, dass kaum jemand einmal ein Zeugnis hat übersetzen lassen. Das Zeugnis des höchsten Abschlusses sollte man aber auch auf Englisch bereit halten. Aber ich bin mir sicher, dass die meisten Hochschulen das, wenn nicht sowieso automatisch, auf Nachfrage in Englisch ausstellen.

Hat man sich mit dem neuen Arbeitgeber über Dinge wie Gehalt, Urlaubstage, Arbeitsstunden usw. geeinigt, sollte einem Arbeitsbeginn im Idealfall nichts mehr im Wege stehen.

Übrigens haben hier Zeitarbeitsfirmen auch einen viel besseren Ruf als in Deutschland und man kann, wenn alles andere passt, durchaus auch mal einen befristeten Job über eine solche Agentur machen. Früher scheint es übrigens so gewesen zu sein, dass man sich in London bei allem möglichen Jobvermittlungsagenturen vorgestellt hat und diese einem Jobs angeboten haben, wenn sie zu einem passende gefunden haben. Heute ist es allerdings aufgrund der Menge an Jobsuchenden anders:

Wenn man sich auf Jobs bewirbt, die eine Agentur online gestellt hat, wird zunächst diese bei Interesse den Jobsuchenden zu einem Vorstellungsgespräch einladen und ggf. dessen Unterlagen an die Firma, weitergeben. Dann ist man natürlich schon einmal beim Jobvermittler vorstellig geworden und bekommt immer mal wieder einen Anruf mit mehr oder weniger „passenden“ Jobs.

Es gibt ein paar Agenturen, die sich auf Jobs mit zusätzlichen Sprachkenntnissen spezialisiert haben. Als Deutscher bei solchen registriert zu sein, ist sicher nicht verkehrt, weil man als Muttersprachler eben einen Vorteil (mehr) gegenüber nicht-Muttersprachlern hat.

Mehr nützliche Infos über London findest du hier

 

 

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