Back to Work – Resümee nach den ersten zwei Wochen

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(c) thedrum

 

Die Entscheidung, wieder Arbeiten zu gehen

Nach viereinhalb Jahren, in denen ich mich zu Hause um die Kids gekümmert habe und phasenweise mal mehr, mal weniger intensiv an meiner Doktorarbeit „rumgedoktert“  habe, habe ich Gefallen an der Idee gefunden, mir eine „richtige“ Arbeit zu suchen: Um auch mal wieder raus aus dem Haus zu kommen, mit „Normalos“ – und nicht überwiegend nur Mamas – Kontakt zu haben, das Gehirn mal wieder richtig anzustrengen und etwas Zeit für MICH zu haben! Damit das nicht falsch rüber kommt: Ich liebe meine Mädels und verbringe sehr gerne viel Zeit mit ihnen, auch wenn diese beiden kleinen Dickköpfe mit ihren fast zwei sowie viereinhalb Jahren mich manchmal ganz schön auf die Palme bringen können!

Aber trotzdem brauche ich nun auch mal wieder eine neue Herausforderung! Ich hatte mich daher dazu entschieden, meine Doktorarbeit, wo es um Apothekenkunden ging (also Apothekenkunden in Deutschland – was es etwas schwierig gemacht hatte, aus Hong Kong bzw. jetzt aus London daran zu arbeiten), und wo gerade mal die Datenerhebung für die Vorstudie so halbwegs fertig war, ganz offiziell auf Eis zu legen. Mein Doktorvater und ehemaliger Chef fand es natürlich sehr schade, weil schon so viel Arbeit und Zeit in das Ganze geflossen ist.

Ein Freund, der die Situation mit meiner „Promotion“ neben dem Job als Haussfrau und im Ausland-lebend kennt, meinte schon vor einem Jahr, ob „Ein Ende mit Schrecken“ nicht besser wäre als „Ein Schrecken ohne Ende“. Ich glaube, er hatte recht und ich war auch irgendwie erleichtert, diese Entscheidung gefällt und bekannt gegeben zu haben, auch wenn es einige sicher eher enttäuschend fanden, dass ich das mit der Doktorarbeit nicht durchziehe.

Als Deutsche in London einen Job finden

Ich habe schon vor einigen Monaten angefangen, ein bisschen nach Teilzeitjobs in London zu gucken. Schnell war dabei klar: Die meisten Jobs werden über Recruiting-Agenturen vermittelt. Diese stellen für ihre Kunden die Jobanzeigen online und man schickt ihnen seinen Lebenslauf. Aufgrund der hohen Anzahl an Bewerbungen sowie der oft unpassenden Qualifikation der Kandidaten, geben viele Firmen das Recruiting gerne an externe Agenturen ab. Ich habe bereits eine Seite in meinem Auswanderungs-ABC dem Thema Bewerbungen in England gewidmet.

Auf die ein oder andere Stellenanzeige hatte ich mich beworben, aber meistens kam nach der automatischen Antwort, dass die Bewerbung eingegangen ist und falls sie sich nicht nach x Tagen melden, ich davon ausgehen soll, dass meine Bewerbung leider nicht für den Auftraggeber interessant ist, nicht viel zurück.

Ich denke, dass das vor allem auch daran lag, dass ich noch nie hier gearbeitet habe. Das macht mich für hiesige Arbeitgeber uninteressant. Daher habe ich von da an nur noch nach Jobs für „Deutsche Muttersprachler“ geguckt und habe schon damit gerechnet, dass es schwer wird, einen Teilzeit-Job zu finden, der alle meine Kriterien sowie der zu meiner Erfahrung passt, erfüllt.

Glück muss man haben

Zufällig war ich nach Monaten mal wieder auf meinem Xing Profil, das ich im Grunde völlig stiefmütterlich behandle. Dort habe ich allerdings erstmalig gesehen, dass es ja auch eine Art Job-Suche gibt und habe einfach mal „Praktikum London“ eingegeben. Ich fand die Vorstellung ganz nett, erst einmal durch ein Praktikum zu testen, in wie weit ich Arbeit und Familie vereinbaren kann. Und „Praktikum“ natürlich, weil ich nach einem Job „auf Deutsch“ gucken wollte. Und dann poppte direkt die eine Anzeige auf, die wie für mich geschrieben war:

Bezahltes Praktikum, Online Marketing, Healthcare, für den Deutschen Markt! BINGO!!! Naja – bis auf die Tatsache, dass es Vollzeit war!

Nach einer kurzen Mail, in der ich mal wegen Teilzeit angefragt habe und nur kurz meinen Werdegang angerissen habe, bin ich auch schon direkt für ein Gespräch eingeladen worden und habe kurz darauf den Praktikumsvertrag unterschrieben! Das kam übrigens gleichzeitig mit unserem Umzug und das AuPair musste ja nun auch noch gefunden werden…. Aber! Es hat ja alles geklappt!Ich beim Shoppen von Business Kleidung. Back to work

Nach unserem Umzug habe ich schnell noch in den Kleidersäcken meine alten Business Klamotten aus meiner Consulting-Zeit gecheckt und merkte, dass die Anzüge a) nach 2 Schwangerschaften doch seeehr knapp saßen und b) ich vermutlich bei einem Start-up damit ziemlich overdressed wäre. Die Alternative, mein „Alltags-Kleiderschrank“, gibt nun eher Klamotten her, die als schlunzig zu bezeichnen sind und mit denen ich auch nicht gerade Arbeiten gehen wollte, auch wenn das in einem lockeren Start-up möglicherweise sogar völlig ok wäre. Also habe ich über die Osterfeiertage noch mal schnell eine paar gut kombinierbare Klamotten angeschafft, die vielleicht als Business-Casual zu bezeichnen sind und die ich sowieso schon lange mal gebraucht habe (ich Modemuffel!).

Mit einem relativ ruhigen Gefühl, weil ich durch das Bloggen schon ein wenig mit SEO-Tools und Online Marketing in Berührung gekommen bin, sowie den Markt, um den es geht, ziemlich gut kenne, und Dank dem Wissen, dass das AuPair gut mit den Kindern zurecht kommt, konnte ich meinen ersten Arbeitstag antreten.

Nach wenigen Stunden schwirrte mir mein Kopf, weil ich gefühlte tausend Einladungen für irgendwelche Data-Sharings, Kommunikations- und sonstige Software-Tools angenommen habe, ohne überhaupt zu wissen, was was ist und wie ich die überhaupt jemals wiederfinden würde! Definitiv ein Nachteil, wenn man ein paar Jahre ganz raus ist und davor die zwei Jahre am Lehrstuhl haben wir auch eher mit „traditioneller“ IT-Technik gearbeitet…

Eine riesen Beule, die sich die Kuschelmaus am Nachmittag beim Rennen und Stolpern gegen eine Wand zugezogen hat und die dazu führte, dass mich das AuPair doch deutlich verunsichert anrief, veranlasste mich – selbst etwas nervös, was mich zu Hause erwarten würde – eine halbe Stunde früher als geplant, nach Hause zu fahren.

Am Ende war die Beule zwar ordentlich, aber zum Glück ohne Folgen. Ich hatte dann natürlich am Abend noch einiges nachzuholen. Das ist so auch vereinbart, weil meine Arbeitstage im Büro bewusst etwas kürzer sind, damit ich abends noch etwas Zeit mit den Kids verbringen kann. Den restlichen Arbeitstag arbeite ich also abends von zu Hause. So fehlt mir nun leider oft die Zeit, auf meine Lieblingsblogs zu schauen und auch, selbst einen neuen Blogpost zu verfassen.

So haben die Kinder auf die neue Situation reagiert

In meiner ersten Arbeitswoche haben sich die Mädels ein Zimmer geteilt, weil wir einen Gast zu Besuch hatten, der im Zimmer der Schnatterente schlief. Sie haben zugegebenermaßen beide nicht besonders gut geschlafen und ich konnte nicht wirklich sagen, woran es lag. Also ob sie sich gegenseitig gestört haben, oder ob sie deshalb aufgewacht waren, weil ich den ganzen Tag weg war und sie das nachts verarbeitet haben. Am Freitag – meinem freien Tag – war ich jedenfalls sowas von platt, dass ich nicht mal geschafft habe, meine Blogstatistik zu checken, die mir doch eigentlich sehr am Herzen liegt 😉 (das könnte allerdings auch an der Flasche Rotwein gelegen haben, die ich mir am Vorabend trotz Müdigkeit noch mit unserem Gast geteilt habe und die dazu führte, dass ich erst nach Mitternacht ins Bett gekommen bin…).

Die Kinder reagieren jedenfalls erwartungsgemäß auf die neue Situation: Ab der Minute, wo ich abends zur Tür reinkommen, hängt mir die Kuschelmaus wie ein kleines Klammeräffchen am Hals. Zugegebenermaßen ist das sehr süß und ich genieße es, das es nun mal „geschätzt“ wird, wenn ich zu Hause bin! Allerdings klammert sie auch beim AuPair, wenn diese mit ihr zum Musikkurs geht, was eher ungewöhnlich ist, weil sie sich sonst meist sehr selbstbewusst in Kindergruppen verhält. Sehr stark fallen auch die vielen Tränen der Schnatterente am Morgen auf! Es ist nicht ungewöhnlich, dass es morgens mal Geheule gibt: Denn wenn der Magen leer ist und dann irgendwas schief läuft, kann es schon mal leicht passieren, dass aus einer Lappalie ein Riesendrama wird! Aber, dass wir das eigentlich gerade jeden Morgen haben und dass sich diese Plärrerei – wie heute Morgen – fast über eine Stunde hinzieht, ist doch eher ungewöhnlich! Ich denke, dass hat definitiv etwas mit der neuen Situation zu tun 🙁

In der zweiten Woche hat zumindest die Schnatterente – wieder zurück in ihrem Zimmer – normal geschlafen. Die Kuschelmaus ist aber auch noch oft schreiend aufgewacht, ohne richtig wach zu werden. Ein Köpfchenstreicheln und Schnuller-Reichen hat meistens gereicht, damit sie schnell wieder eingeschlafen ist. Mit solchen Reaktionen habe ich zugegebenermaßen gerechnet. Egal, wie gut unser AuPair den Tag meistert: Sie vermissen einfach ihre Mama, die davor ja 24/7 da war!

Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, war, was an meinem Homeoffice-Tag passiert ist: BEIDE haben ein mega-Theater gemacht, waren kaum aus dem Zimmer, wo ich gearbeitet habe, zu entfernen und haben ihren Frust an dem armen AuPair ausgelassen. Dieses wurde angeschrien, gehauen und angespuckt! Ich habe meine Kids so noch nie erlebt und ich war echt geschockt!

Vermutlich ist es eine nachvollziehbare Reaktion, aber für mich hat dieser Tag deutlich gezeigt, dass ich – zumindest solange die Schnatterente nur 3 Stunden im Kindergarten und die Kuschelmaus den ganzen Tag zu Hause ist – kein Homeoffice machen kann! Das ist natürlich sehr schade, weil ich somit auch am vierten Arbeitstag die anderthalb Stunden, die ich zur Arbeit und zurück pendle, mit den Kindern verliere und ich künftig wohl nicht mehr zur Deutschen Spielgruppe gehen kann. Das wird nun auch das AuPair übernehmen müssen, was ich sehr schade finde, weil die Spielgruppe mit all den netten deutschen Mamas eines meiner Wochen-Highlights war!

Aber so einen Homeoffice-Tag wie vor zwei Tagen möchte ich weder dem AuPair, noch den Kindern, noch mir noch einmal antun, und so werde ich künftig wohl vier Tage vom Büro aus arbeiten! Vermutlich brauche ich dafür nun auch noch eine zusätzliche Kinderbetreuungslösung, weil unser AuPair sowieso schon an der Stundengrenze ihres Vertrages arbeitet und ich ihr einfach auch nicht noch mehr Stunden zumuten will. Also wieder eine Neuerung für meine ohnehin schon strapazierten Kinder…

Ich rechne also damit, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich die Kids 100-prozentig an die neue Situation „Mama geht vier Tage arbeiten“ gewöhnt haben! Ich werde jedenfalls berichten, wenn sich deutliche Besserung abzeichnet!

Eure Uta x

Ein Gedanke zu „Back to Work – Resümee nach den ersten zwei Wochen

  1. Hallo Uta,

    dass es für deine Kinder erstmal eine Umstellung ist, ist doch ganz normal. Und wie du schon sagst, dass wird auch noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, bis sich dahingehend auch für die Kinder eine Art Gewohnheit eingestellt hat. Und wenn ein paar Wochen vergangen sind, kannst du bestimmt auch zu deinem Home Office Tag zurück kehren (wobei ich mir den hier auch nicht vorstellen könnte).

    Ich drücke dir die Daumen, halte durch!
    Aller Anfang ist schwer…

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