Den Kindern nicht gerecht werden

Kindern nicht gerecht werdenSarah von Mamaskind ruft in ihrer Blogparade dazu auf, sich einmal mit dem Thema , wie und ob man den Kindern gerecht wird, auseinander zu setzen.

Das ist bei uns ein sehr aktuelles Thema, denn ich bin gerade nicht sehr gut darin, weil ich die Prioritäten gerade anders setze. Wir haben zwei Töchter, derzeit fast 4 und 6,5 Jahre alt und leben in London. Der Ordnungshüter ist “schwer” berufstätig, unter der Woche praktisch nicht präsent und schläft am Wochenende gerne mal bis zum letzten Drücker. Ansonsten ist das Wochenende die Zeit, die wir als Familie haben. Fast zwei Jahre lang habe ich vier Tage die Woche gearbeitet, was durch einen Arbeitsweg von 60 Minuten one-way relativ lange Arbeitstage bedeutete. Das war aber für uns alle soweit gut, vor allem, als wir ein super Au Pair hatten.

Unser stabiles System ist ein wenig mit der Au Pair Suche für das Schuljahr 2016/2017 ins Wackeln geraten. Das eigentliche Au Pair, das wir bereits im Mai 2016 gefunden und auch zum Kennenlernen nach London eingeladen hatten, ist drei Tage nach Arbeitsantritt wegen Überforderung abgereist! Das kurzfristig aufgetriebene Ersatz-Au Pair kam nie hier an und die nächsten Wochen hielten wir uns mit unserem alten Au Pair und der Cousine einer Freundin über Wasser, die netterweise zu Hause alles stehen und liegen ließen, um uns auszuhelfen.

Wo so schnell ein neues Au Pair herbekommen?

Die verzweifelte Suche nach einem neuen Au Pair ließ mich sämtliche “Vorsichtsmaßnahmen” bei der Au Pair Suche über Bord werfen. Und auch wenn mich die Kommunikationsprobleme mit der neuen Kandidatin schon von Beginn verwundert haben, habe ich dieses neue Au Pair eingestellt.

Leider hatte es mit dem Au Pair, das persönliche Probleme hatte, worüber wir auch offen sprechen konnten, nicht gut geklappt: Die Kids, die normalerweise nach 3 Minuten bei jungen Mädels auf dem Schoss sitzen und super aufgeregt nicht mehr aufhören zu schnattern, haben auch nach Wochen keine vertraute Bindung zu dem Au Pair aufgebaut (vermutlich weil diese einfach kopfmäßig zu sehr mit sich beschäftigt war). Und ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass meine Kids keine enge Beziehung zu dem Au Pair hatten. Sie hatte sich durchaus Mühe gegeben, nur waren die Probleme, die sie mit sich trug, einfach zu groß als dass es hätte klappen können. Das war sehr schade, denn wenn die Probleme nicht gewesen wären, wäre die gegenseitige Sympathie sicher auch größer gewesen.

Eine stabile Betreuungssituation für die Kinder muss her

Wir haben uns daher einvernehmlich vor Weihnachten von dem Au Pair getrennt und dieses wollte nach Hause zurück ziehen, um eine Therapie zu beginnen.

Bei meinem Arbeitgeber hatte ich schon vor Weihnachten angekündigt, dass ich nach vielem Kinderbetreuungs-Hin-und-Her im neuen Jahr auf drei Tage reduzieren muss, weil wir keine neues Au Pair mehr suchen werden. Nach dem ganzen Au Pair Chaos seit September hatte ich keine Lust und Nerven mehr, noch einmal nach einem neuen Au Pair zu suchen und wollte auch den Kindern eine stabile Kinderbetreuung bieten und nicht Gefahr laufen, wieder das falsche Au Pair einzustellen, um dann erneut auf die Au Pair Suche zu gehen.

Wir haben dann zum Glück schnell eine sehr nette Mama aus der Parallelklasse der Schnatterente gefunden, die die Kinder an zwei Tagen nach dem Kindergarten bzw. nach der Schule abgeholt und die Nachmittagsaktivitäten mit ihnen gemacht hat.

Am dritten Arbeitstag kümmerte sich eine deutsche Freundin um die Kuschelmaus und ich konnte ungestört von zu Hause arbeiten bis Schulschluss der Großen war. Das lief soweit alles sehr gut und wir haben uns alle wohl gefühlt mit dem Arrangement.

Die Schnatterente hing schulisch etwas hinterher

Ein weiterer Grund weshalb ich gerne einen Tag weniger arbeiten wollte war, dass die Schnatterente nach dem Schulwechsel im September auf der neuen Schule etwas hinterher hing. In allen Fächern war sie in der Gruppe der schwächsten Schüler und hatte auch keine Motivation, sich zu verbessern. Das Lesen war noch nicht da, wo es sollte und die Handschrift die reinste Katastrophe. Letzteres meiner Meinung aber auch deshalb, weil sie mit den Kindern in England keinerlei Schreib-Vorübungen machen. Sie geben den Kindern Schreibpapier mit einer einzigen Linie und sagen, jetzt kopiert hier mal das was ihr seht. Ein paar Reime haben sie, wie zum Beispiel für den Buchstaben “h” “Down the head, to his hooves and over his back” wobei das “h” dann wie ein Pferd abgebildet ist. Aber da die Eigenmotivation der Schnatterente sich bei so etwas noch sehr in Grenzen kält, gibt sie sich nicht sonderlich viel Mühe, dass jeder Buchstabe gleich groß ist un auf die Linie und nicht im Himmel oder im Keller steht. Ich halte mein Kind absolut nicht für eine Überfliegerin, aber ich denke schon, dass sie das Zeug dazu hat, Durchschnittlich zu sein und deshalb haben wir auch zusammen zu Hause geübt.

Insgesamt sind die Ansprüche der Schule hier in England sehr hoch und sehr früh (in Deutschland wäre sie als Herbstkind ja erst jetzt im September eingeschult worden): Ich hätte nie gedacht, dass ich in der ersten Klasse – abgesehen davon, dass wir sie auf ein Mittelmaß bringen wollten – bereits so viel mit der Schnatterente zu Hause machen muss. Neben den 3 Lesebüchern pro Woche gibt es eine Mathe-App, wo 2×10 Aufgaben gelöst werden müssen (wobei das sogar recht viel Spaß macht), dann haben sie High Frequency Words, die einmal die Woche im Spelling Test überprüft werden. Zusätzlich gibt es seit Weihnachten eine wöchentliche schriftliche Englischhausaufgabe.

Zwangsweise bekommt also die Große für die Hausaufgaben viel 1:1-Zeit, wo sich die Kleine dann oft abgestellt fühlt und recht leicht bockt. Das wird dann schon schnell anstrengend, denn so komme ich mit der Großen ja auch nicht voran. Zum Glück hat die Kleine selbst irgendwann angefangen, unsere Aufmerksamkeit dadurch auf sich zu lenken, dass sie selbst Buchstaben üben oder irgendetwas anderes “schreiben” musste. So sitzen wir jetzt oft zu dritt da und machen ”Homeworks”.

Soweit sind wir schulisch wieder auf Kurs – und beruflich?

Mit meiner Stundenreduzierung blieb mit noch weniger Zeit, in meinem Job spannende Dinge zu machen, weil die Abmachung, Stunden reduzieren zu dürfen, irgendwie automatisch mit dem Versprechen einherging, dass ich trotzdem noch das bisherige abliefere.

Das war dann irgendwann sehr unbefriedigend und auch langweilig, weil ich keine Zeit für spannendere Dinge hatte.

So habe ich irgendwann angefangen, mich nach neuen Jobs umzuschauen. Nach den Erfahrungen der letzten Au Pair Monate reifte außerdem der Wunsch in mir, dieses selbst-erlebte und auch von anderen berichteten Au Pair Chaos irgendwie zu verbessern. Ich dachte daher darüber nach, eine Webseite zu machen, auf der für beide Seiten – Au Pair und Gastfamilie – wichtige Informationen zusammengetragen werden mit dem Ziel, dass die gegenseitigen Erwartungen nicht so stark aneinander vorbeigehen können, wie das gerne mal der Fall ist. Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund, warum einige Au Pair Arrangements nicht klappen.

An der Bewerbungsfront hatte ich recht bald mit einem sehr interessanten Start-up Kontakt gehabt und – obwohl sich der Bewerbungsprozess ewig hinzog – irgendwann meinen alten Job gekündigt. Wenns nicht die Firma werden würde, würde sich etwas anderes spannendes finden und in der Zwischenzeit wollte ich an meiner Au Pair Idee arbeiten. Was auch immer am Ende bei der Au Pair Webseite rauskommt, werde ich wieder einiges gelernt haben. Unter anderem auch erstmals wirklich auf Englisch zu schreiben. Das finde ich zum Beispiel gerade noch sehr mühsam.

Sechs Wochen “arbeitslos” und doch busy wie selten

Nach der Kündigung habe ich gleich mit meiner Au Pair Idee losgelegt und war in der Zeit zwar viel zu Hause (obwohl ich oft aus der lokalen Bibliothek oder einem Café mit WLAN gearbeitet habe). Aber da eigentlich dauerhaft der Laptop auf meinem Schoss stand, war ich eigentlich auch nicht wirklich für die Kids da. Dass ich trotz anwesenden Kindern recht konzentriert arbeiten kann, geht aber auch nur deshalb, weil sich meine Kinder super selbst beschäftigen können. Ok, zugegebenermaßen “erkaufe” ich mir zwar die Freiheit, zu arbeiten während sie spielen. Allerdings enden diese unbeaufsichtigten Spiele oft in einem ziemlichen Chaos, so dass ich hinterher die Hälfte meiner genutzten Arbeitszeit vermutlich noch einmal mit Aufräumen beschäftigt bin 😉

In den Wochen, in denen ich ohne Job war, war ich wirklich extrem busy, weil ich die Webseite ja erst mal zum Laufen bringen musste. Also WordPress aufsetzen, Theme aussuchen und vor allem erstmal damit klarkommen. Und nebenbei schon mal anfangen, Content zu schreiben. Das hat mich echt sehr viel Zeit gekostet, die mir mit den Kindern gefehlt hat. Aber wenn man an seiner eigenen Idee arbeitet, ist es egal ob es 5:00 Uhr morgens ist oder 23:00 Uhr nachts: Es macht einfach Spaß und die Motivation, voran zu kommen, ist sehr groß.

Die Kids haben schon immer mal gestöhnt, und gefragt, wann ich endlich fertig bin. Aber ich sehe das eben so, dass ich auch persönliche Wünsche und Ziele haben darf und ich nicht mein ganzes Leben immer und ausschließlich zu 100% auf die Kinder ausrichten kann!

Im Moment kommen die Kids wirklich etwas zu kurz, auch weil ich jetzt ein Freelance Projekt angefangen habe und wieder vier Tage arbeite. Nebenbei versuche ich auch die Hostmum Seite weiter voranzubringen, für die ich derzeit große Unterstützung durch eine Praktikantin habe. Sonst würde da nicht sehr viel neues gepublisht werden. Und dann ist da ja auch noch der BerlOndonMama Blog, der gerade ganz hinten ansteht. Leider!

Ich kann definitiv sagen, dass ich derzeit schon eher eine Ego-Tour fahre, viel arbeite und zum Beispiel auch nicht auf meinen Sport 2-3 Mal die Woche verzichten möchte. Dadurch haben wir insgesamt weniger gemeinsame Familienzeit. Aber mal ganz ehrlich: Werden sich die Kinder später daran erinnern, dass Mama mal 3-4 Monate lang wenig Zeit für sie hatte? Vor allem solange der Papa das ausnahmsweise mal etwas abfedert? Ich kenne die Antwort nicht, aber ich bin bereit, das zu riskieren.

Es ist keine dauerhafte Arbeitssituation und nachdem ich solange komplett für die Kinder da war und immer zurück gesteckt habe, will ich nun auch mal wieder an mich denken. Und wenn die Mama happy ist, haben am Ende ja auch automatisch alle was davon…

Eure Uta x

2 Gedanken zu „Den Kindern nicht gerecht werden

  1. Liebe Uta,
    sehr spannend, was alles passiert ist bei euch. Und gleichzeitig: uffz! Wie federt man das Au-Pair-Fehlen ab, die so lange im Voraus geplant war?

    Finde ich toll, dass du dazu stehst, dass du dein Ding durchziehst, in dem Bewusstsein, dass es für kurze Zeit ist.

    Ich drücke euch die Daumen. 🙂

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