Die Schnatterente

Meine Große ist im Herbst 2010 in Frankfurt zur Welt gekommen. Die Schwangerschaft war unkompliziert. Wir konnten verreisen, Tanzkurse besuchen und haben am heißesten Wochenende des Jahres standesamtlich geheiratet. Puuuuhhh, war das eine Hitze!

Der heiße Sommer und die Tatsache, dass ich wegen erhöhter Thrombosegefahr dauerhaft Kompressionsstrümpfe tragen musste, waren schon zeitweise ziemlich unangenehm. Also merke dir bei der Kinderplanung (so man es denn planen kann): Bei Herbstbabys muss man hochschwanger durch den Hochsommer…

Ich habe die Schnatterente spontan in einem Krankenhaus mithilfe einer PDA und Dammschnitt bekommen. Bei Interesse werde ich einen Geburtsbericht einstellen.

Von Beginn an hat sich gezeigt, dass dieses Baby kein großes Interesse am Essen hat. Sie trank schnell ein wenig Milch – grad so, dass das Bäuchlein aufgehört hat zu knurren – und dann war Schluss. So ein Schlückchen hält natürlich nicht lange vor und deshalb musste schon bald wieder gestillt werden. Und das Tag und Nacht! Ich habe es leider nicht geschafft, sie auf einen Rhythmus mit 3 Stunden Trinkpause einzustellen, weil ich es auch nicht mit der Brechstange versuchen wollte. Ich habe andere Mamas beneidet, deren Kids so lange ohne die Brust aushalten konnten. Naja, so kamen wir zumindest in den Genuss von viel Zeit zum Kuscheln.

Mit 9 Monaten, als wir gerade frisch nach Hong Kong gezogen waren, kam das erste Zähnchen und damit einhergehend ein unerwartetes Problem: Obwohl die Schnatterente bis dahin noch gar nicht so viel feste Nahrung zu sich nahm, verweigerte sie von jetzt auf gleich die Brust! Und: Sie wollte auch weder Muttermilch noch Pulvermilch aus der Flasche! Um das ganze noch komplizierter zu machen, verweigerte sie gleichzeitig auch noch den Nuckel! So hatte ich rein gar nichts mehr, um das zahnende, sicher hungrige Kind irgendwie zu beruhigen und ich selbst hatte schwer damit zu kämpfen, die Milchproduktion zu stoppen, die noch so ziemlich auf Hochtouren lief. Keine schöne Zeit. Irgendwann hat sie aber dann automatisch mehr Brei gegessen, obwohl sie nie viel Essen brauchte.

Die Schnatterente hatte eine schöne Zeit in Hong Kong. Sie ist dort, seit sie 2 war, stundenweise ohne mich in eine Art Mini-Club gegangen und als sie älter war, war sie 5 Vormittage im Kindergarten – abwechselnd im Mini-Club und einem Montessori-Kindergarten. Der hat ihr aber nicht gefallen, denn sie wollte lieber mit „richtigem Spielzeug“ spielen. Wenn wir zwischendurch immer mal für ein paar Wochen in Berlin waren, konnte sie netterweise auch dort in einen englischen Kindergarten gehen. Das war echt super! Wir haben die Strecke Hong Kong – Berlin – Hong Kong einige Male und meistens nur zu zweit, hinter uns gebracht und ich muss sagen, die Schnatterente ist ein echter Flugprofi! Je älter sie wurde umso einfacher war es, sie die ca. 12 Flugstunden inklusive einmal Umsteigen und warten auf den Anschlussflug, zu bespaßen. Die Anschaffung eines iPads hat uns das ganze noch mal etwas vereinfacht 🙂

Als wir nach zwei Jahren aus Hong Kong weggezogen sind, hat das der Schnatterente, glaube ich, nicht viel ausgemacht. Wir waren im Anschluss ja auch erst einmal eine Weile in Berlin, was für sie der schönste Ort ist. Wenn wir in Berlin sind wohnen wir bei meinen Eltern. Dort haben wir eine Etage für uns alleine und es wird kein großes Tam Tam um unseren Besuch gemacht, sondern es geht alles so weiter wie ohne uns. Sehr angenehm. Die Schnatterente liebt es dort zu sein, weil ihre Cousins nebenan wohnen, aufgrund der zahlreichen Tanten und Onkel immer was los ist, meine Mutter immer neue Spielsachen von früher hervorkramt und der kleine Zoo meiner Eltern für Kinder natürlich auch toll ist.

Im Sommer 2013 kam dann ja auch unsere kleine Kuschelmaus zur Welt. Ich wollte sie unbedingt in Berlin bekommen, weil ich wusste, dass für die Schnatterente gut gesorgt wird, während ich im Krankenhaus bin und obwohl das (private) Gesundheitssystem in Hong Kong einen sehr guten Ruf hat, war mir das Kinderkriegen dort etwas suspekt: Wir lebten ja auch auf einer Insel. Das würde heißen, mit Wehen in die Fähre und auf der anderen Seite ins Taxi zum Krankenhaus oder die gesamte Strecke, die sicher über eine Stunde und bei viel Verkehr deutlich länger gedauert hätte, mit einem Taxi fahren. Es war toll, dass die ersten Wochen nach der Geburt der Kuschelmaus, meine Familie da war und dafür sorgen konnte, dass die Schnatterente nicht zu kurz kam, wenn ich mit dem Baby beschäftigt war.

Wir waren am Ende 6 Monate in Berlin und als der Umzug nach London anstand, war das für die Schnatterente sehr schwer. Sie wollte partout nicht weg und meinte, wir sollen alleine fliegen und sie dann in Berlin besuchen kommen. Mithilfe guter Zurede und Versprechungen ließ sie sich Gott sei Dank doch überzeugen, mit uns in das Flugzeug zu steigen.

Schon in der ersten Woche konnte sie in einen deutschen Musikkurs einsteigen und wir sind zur Deutschen Spielgruppe gegangen und nach kurzer Zeit hatte sie auch einen Kindergartenplatz. Außerdem hatte sie irgendwo einen Flyer einer Ballettschule entdeckt und wollte darauf hin unbedingt mit Ballett anfangen. Das hat ihr schnell einen ziemlich vollen Wochenplan beschert und ihr Heimweh nach Berlin wurde besser.

Im neuen Kindergarten hatte sie es die ersten Wochen ziemlich schwer, weil sie aus dem Englischen Kindergarten in Berlin gewohnt war, dass man sie trotzdem verstanden hat, auch wenn sie deutsch sprach. Hier war das schon ein Problem, weil sie insbesondere von den größeren Mädchen links liegen gelassen wurde, weil sie nicht Englisch sprach. Nach 3 Wochen hat sie dann gecheckt, dass sie Englisch sprechen muss und sie konnte sich dann gleich schon halbwegs verständlich machen.

Mittlerweile ist ihr Englisch nahezu so wie das von gleichaltrigen, einsprachig erzogenen Kindern. Oft sind die Leute ganz verwundert zu hören, dass wir unsere Kinder bilingual erziehen, weil man ihr das nicht anzumerken scheint. In der Tat ist ihr Akzent absolut British und man hört den britischen Klang auch wenn sie Deutsch spricht.

Den Namen „Schnatterente“ verdankt sie der Tatsache, dass sie den ganzen Tag erzählen kann. Und das mittlerweile auch in zwei Sprachen und auch ohne Schüchternheit mit Personen, die sie das erste mal trifft! Na Prost Mahlzeit… 🙂

 

 

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