Unser Leben in Hong Kong – Discovery Bay

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In Hong Kong lebten wir von 2009 bis 2011 in einer eher „künstlichen“ Umgebung mit dem Namen „Discovery Bay“ oder kurz „DB“: Vor ein paar Jahrzehnten sollte ein schönes, grünes Fleckchen Erde auf der Insel Lantau zu einem Erholungsort für reiche Chinesen ausgebaut werden.

So sieht es in Discovery Bay aus

Dementsprechend sieht es auch in Discovery Bay ganz anders aus als im restlichen Hong Kong: Es gibt viel Platz, Hotels, Golfplätze, Erholungsclubs mit Pool-Landschaften, Tennisplätzen, Wellness, Fitnessstudio, Kinderprogramm usw.

Der ursprünglich auf dem Reißbrett entworfene Plan wurde irgendwann doch verworfen und statt des Ferien- und Wochenend-Erholungszentrums wurden Wohngebäude in Discovery Bay errichtet. Dazu ein kleiner Plaza mit Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Ärzten, Friseur und was man halt so alles fürs tagtägliche Leben braucht. Sehr untypisch für Hong Kong hat man hier wirklich viel Platz, die Gebäude sind überwiegend nur wenige Stockwerke hoch und es gibt sogar Einfamilienhäuser! Die Bürgersteige sind breit, es sind viele Grünflächen und Spielplätze vorhanden und nicht zu vergessen, gibt es einen schönen Strand.

Jeden Tag an den Strand?

Leider nein! Vermutlich wegen der Nähe zum Wasser und wegen der daher zahlreich vorhandenen Brutstätten gibt es ein Riesenproblem in Discovery Bay: winzige und nervige Gesellen mit Namen „Sand-Flies“! Das sind richtig fiese, unsichtbare Minimücken. Wegen ihnen haben wir ca. 9 Monate im Jahr trotz Hitze dennoch zu langen Hosen gegriffen und mussten die freien Hautstellen mit Insektenschutz einsprühen. Es gibt auch glückliche Menschen, die nicht von den Viechern angefallen werden und mir wurde gesagt, dass man für Sand-Flies weniger attraktiv wird, je länger man dort lebt.

Wir haben davon allerdings nicht viel mitbekommen: Vom Anfang bis zum Ende wurden wir regelrecht von den Viechern aufgefressen! Zum Glück nur der Ordnungshüter und ich: Das Blut der Schnatterente hat ihnen glücklicherweise nicht ganz so gut geschmeckt.

Immer warm, also immer draußen?

Leider auch nein: Erstmal wäre mir das wegen den Sand Flies und dem ständigen nach-cremen zu doof gewesen. Außerdem hat Hong Kong leider eine sehr schlechte Luftqualität. Da ist nicht viel mit: Mal an die frische Luft gehen. Zum Glück ist die Luft in Discovery Bay sehr viel weniger belastet als in Gebieten im zentralen Hong Kong. Insbesondere die Belastung durch Feinstaub ist hoch. Es gibt nicht gerade viele Tage im Jahr mit halbwegs sauberer Luft und meistens überschreiten die Pollution Werte die vom WHO festgelegt Obergrenze um das 10- bis 20-fache  http://hedleyindex.sph.hku.hk/html/en/. Viele der Kinder der Expat-Bekannten hatten immer wieder mal was mit Bronchitis oder Asthma zu tun und mussten Medikamente nehmen. Für mich war die Luftverschmutzung einer der Hauptgründe, weshalb ich nicht zu lange in Hong Kong bleiben wollte.

Irgendwie ist Hong Kong einfach ein

Im Vergleich zu vielen Teilen Hong Kongs, ist Discovery Bay sehr sauber. Zu jedem Häuserkomplex gehört eine Schaar von chinesischen Helferlein, die den ganzen Tag den Garten, die Gehwege oder die Gebäude in Schuss halten. Zusätzlich gibt es patrouillierende Security Guards, die es leider nicht nur zur Show gibt, sondern die vor allem vor Einbrüchen schützen sollen. Die Luft in Discovery Bay ist verhältnismäßig weniger dreckig als woanders. Das liegt vermutlich in erster Linie daran, dass es so wenig Autos gibt, denn insbesondere die Millionen Taxis und Busse ohne jegliche Filter rußen Hong Kong voll. Zudem verhindern die engen Häuserschluchten zwischen den ganzen Hochhäusern eine vernünftige Ventilation und der Smog steht einfach in den Straßen, ohne weggepustet zu werden. Dieses Problem gibt es in Discovery Bay nicht.

Als Einwohner von Discovery Bay darf man eine – schweineteure – Lizenz für ein Golf Cart (!) erwerben, welche die einzigen motorisierten „PKWs“ darstellen. Mit den kleinen Dingern kann man schon ganz schön schnell über die Straße flitzen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Kinder sich schon wegen dieser eher unsicheren Beförderungsmethode verletzt haben. Als eine Freundin mit ihrer 3 jährigen Tochter mit schlimmen Schürfwunden zum Arzt ist, weil sie während der Fahrt ihre runtergefallene Wasserflasche greifen wollte, wurde meiner Freundin jedenfalls bestätigt, dass es solche Unfälle zu Haufe gibt. Die Kleine hat tierisch Glück gehabt, dass zumindest der Gurt um den Bauch ein komplettes Herausstürzen verhindert hat!

In Discovery Bay siedelte sich eine bunt gemischte Expat Community an. Von den ca. 19.000 Einwohnern sind die Hälfte nicht-Chinesen und die chinesische Hälfte ist sehr westlich orientiert. Mit der Fähre kann man von dort in 25 Minuten in „Central“ auf Hong Kong Island sein. Die Insel Lantau, wo Discovery Bay liegt, ist außerdem über eine lange Brücke an das Festland angebunden, so dass man theoretisch aus der Stadt auch mit dem Taxi nach Discovery Bay fahren kann. WENN: ja wenn da nicht auf der einzigen Zufahrt nach Discovery Bay eine Schranke wäre! Linienbussen und Lieferfahrzeuge können diese Schranke allerdings passieren, aber man muss schon sagen, auch diese Abgeschlossenheit macht DB sehr „speziell“. Eine Freundin nannte es gerne „Silicon Valley“, weil es so gar nicht Hong Kong wiederspiegelte. Andere Spitznamen waren auch nicht viel besser: „DB“ stehe für „Dogs and Babes“ (ja, es gab dort UNZÄHLIGE Hunde, aber die lieben philippinischen Maids, die zumeist das Vergnügen hatten, die Doggies auszuführen, haben deren Hinterlassenschaften gewissenhaft entsorgt, so dass zumindest die große Hundedichte nicht zu ständigen Hunde-Kacka-Schuhen führte). Oder auch der Spitzname „Delivery Bay“, der darauf abzielte, dass das Lieblingshobby vieler Expat Frauen zu sein schien, dicke Babybäuche durch Discovery Bay zu tragen. Man sah Schwangere ohne Ende (ich selbst war da ja zum Schluss keine Ausnahme ;-))

Man muss schon sagen, das Leben in Discovery Bay war sehr angenehm (bis auf die Sand-Flies!). Für Groß und Klein gab es genug Angebote, wir haben schnell Bekanntschaften geschlossen, es gab eine große deutsche Community dort, der Flughafen war in 20 Minuten mit dem Bus zu erreichen und man hatte alles, was man fürs tägliche Leben benötigte, vor Ort. Selbst zum Shoppen musste man gar nicht unbedingt mit der Fähre nach Central fahren, sondern konnte mit dem Bus in ein Designer-Outlet in der Nähe des Flughafens fahren.

Ich persönlich hatte keinen „Inselkoller“ bekommen, obwohl ich nicht sehr oft aus Discovery Bay rausgekommen bin. Aber ich kenne Mütter, die schon einige Jahre dort leben und denen es schon sehr auf die Nerven geht, dass man am Plaza immer dieselben Leute trifft, es zwar eine internationale Auswahl an Restaurants gibt, sich diese aber auf unter 15 Restaurants beläuft und Neues nicht in Sicht ist und irgendwie ein Tag wie der andere ist.

Kurz bevor wir Mitte 2013 weggezogen sind, hatte in Discovery Bay das erste Hotel aufgemacht, das sehr schön am Wasser gelegen ist und zumindest von Außen alles sehr schick aussah. Eine Hauptattraktion dieses Hotel ist die Ausrichtung von Hochzeiten, weshalb extra eine Kapelle gebaut wurde. Auch wurden – an einem zu dem Zeitpunkt geheimen Ort – zwei Pferde gehalten, die angelernt wurden, in Discovery Bay eine Hochzeitskutsche zu ziehen. Das war eine echte Attraktion für die Kinder!

Ich denke, man kann wirklich sehr gut in Discovery Bay Urlaub machen und genießen, dass man dort etwas ruhiger wohnt als irgendwo Mitten in Hong Kong. Und doch ist Hong Kong mit all seinen faszinierenden Ecken nur eine halbe Stunde mit der Fähre entfernt.

Eure Uta x

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