Unsere Erfahrung beim GP in London

Verkrustetes Ohr nach TrommelfellrissAm vergangenen Freitag hatte ich mal wieder das „Vergnügen“! Ein Arztbesuch in London mit der fast Zweijährigen Kuschelmaus stand an: Am Morgen hatte sie urplötzlich ein braun-verkrustetes Ohr! Offensichtlich war in der Nacht das Trommelfell gerissen, was ich auch in ihrem Bett bestätigt fand, das ebenfalls etwas schmodderig war.

Ich war schon sehr erstaut, weil sie so gar keine Anzeichen einer Mittelohrentzündung gezeigt hatte! Also zumindest war für mich morgens vor bzw. abends nach der Arbeit nichts erkennbar: Sie hatte kein Fieber, zeigte keine Anzeichen von Ohrenschmerzen und schlief auch gut. Auch unser AuPair hatte tagsüber nichts festgestellt, außer, dass sie vielleicht einen etwas längeren Mittagsschlaf gemacht hat.

Entweder ist die Kuschelmaus also ziemlich hart im nehmen, oder die Mittelohrentzündung ist wirklich symptomlos verlaufen? Das kann ich mir allerdings kaum vorstellen – sind doch Mittelohrentzündungen so ungefähr das schmerzhafteste neben Angina, an das ich mich von früher erinnern kann!

Das Timing war zumindest gut, weil ich Freitags meinen freien Tag habe. So konnte ich also einen Termin bei unserer lokalen GP-Praxis machen. GPs sind Allgemeinärzte und in England generell die erste Anlaufstelle, wenn man zum Arzt muss. Leider kann man nicht mal mit Kindern einfach zum Kinderarzt gehen. Obwohl Hong Kong eine ähnliche „Hausarzt-Regelung“ wie UK hat, konnten wir dort zumindest direkt einen Kinderarzt aufsuchen. Soweit ich weiß, arbeiten Kinderärzte hier in London nur in Krankenhäusern und bis man einen Termin bekommt, ist das Problem in den meisten Fällen längst vorbei. Es gibt zwar auch private Kinderärzte, wie z.B. einen Deutschen in Westlondon, aber unsere private Zusatzversicherung übernimmt zum Beispiel nicht die Kosten für den Deutschen Arzt, weshalb wir den auch nur im Notfall mal aufgesucht hatten, weil wir diesen Arztbesuch selbst bezahlen müssen.

Ich hab also letzten Freitag beim GP angerufen und schon am Telefon musste ich mich rechtfertigen, dass es „urgent“ war, denn ich wollte sicher nicht am Wochenende stundenlang in irgendeiner A&E (Accidents und Emergencys)-Station verbringen, falls dann doch Schmerzen hinzukommen. Netterweise durften wir nach kurzem hin und her gleich kommen und musste auch nur 45 Minuten warten…

Im Behandlungszimmer lief es ungefähr so:

Arzt: „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

Ich: „Meine Tochter hat ein braun-verkrustetes Ohr ohne dass sie irgendwelche Anzeichen einer Ohrinfektion hatte. Sie ist munter wie immer, hatte kein Fieber und auch keine Ohrenschmerzen.“

Arzt guckt ins Ohr: „Ich kann hier nichts sehen, alles verkrustet. Geben Sie ihr 5 Tage lang 3x täglich Amoxicillin (Antibiotikum) und kommen sie dann wieder. Dann sollte die Kruste weg sein, so dass ich das Ohr anschauen kann.“

Ich: „Und wie sieht es im anderen Ohr aus?“

Arzt: „Das ist egal – die Medizin wirkt auch dort. Und geben Sie ihr 3x täglich Nurofen-Saft, damit sie sich besser fühlt.“

Ich: „Sie ist aber gut drauf.“

Arzt: „Geben Sie es ihr, es geht ihr dann wieder besser. Bis nächste Woche.“

Die ganze „Konsultation“ hat 3 Minuten gedauert! Der Arzt hat kein Fieber gemessen, nicht nach Lymphknoten oder in den Hals geschaut. Oder irgendetwas anderes untersucht, was man so aus deutschen Kinderarztpraxen gewohnt ist. Es war offensichtlich, dass er mich nur ganz schnell wieder draußen haben wollte und ich fühlte mich echt etwas veräppelt, dass er darauf besteht, ihr Schmerzsaft zu geben, wenn ich wiederholt sage, dass es ihr gut geht.

Nachdem ich danach mit meiner Schwester telefoniert habe, habe ich dem Nurofen-Saft gegenüber meine Meinung etwas geändert. Scheinbar geben HNO-Ärzte in Deutschland bei Mittelohrentzündungen gar kein Antibiotikum mehr, sondern einfach ein paar Tage lang Schmerzsaft, weil Antibiotikum praktisch als „Übertherapiert“ gilt. Die Entzündung wird durch den Schmerzsaft ausreichend bekämpft und das Trommelfell wächst von alleine wieder zu. Aber der GP hier meinte das mit dem Schmerzsaft ja auch anders, weil ich diesen zusätzlich zu dem Antibiotikum geben sollte. Blöderweise hatte ich schon den ersten Löffel Antibiotikum gegeben, so dass ich das nun auch zu Ende geben werde. Beim nächsten Mal frage ich erst zu Hause nach, wie das in Deutschland gehandhabt wird! Auch von meiner Schwester habe ich erfahren, dass das Trommelfell ca. nach 3 Tagen wieder zuwächst und man so lange nicht Haarewaschen soll. Ich muss nicht erwähnen, dass der Arzt zu dem Thema nichts gesagt hat, oder?

Sicher gibt es auch in Deutschland Kinderärzte, die schneller als andere zu Antibiotikum greifen. Aber hier haben wir immer das Gefühl, dass sehr schnell irgendwas verschrieben wird (z.B. die Cortison-Creme für den Ausschlag um den Mund der Kuschelmaus). Wir hatten diese Erfahrung auch schon in Hong Kong gemacht! Wenn man z.B. wegen eines wiederkehrenden Hustens zum Arzt ging, bekam man eigentlich immer mindestens 5 verschiedene Medikamente, wobei wirklich JEDES MAL auch etwas gegen Allergien dabei war – egal weshalb wir beim Arzt waren!

Was die Gesundheitsversorgung angeht, vermisse ich Deutschland schon sehr! Auch wenn deutsche Ärzte immer weniger Zeit je Patient haben, habe ich zumindest beim Kinderarzt und während Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft von der Kuschelmaus immer das Gefühl gehabt, dass sich trotzdem wirklich ausreichend Zeit genommen wird!

Ein „Haben Sie sonst noch irgendwelche Fragen?“ wird man hier jedenfalls von KEINEM Arzt zu hören bekommen!

Was verschreiben denn eure Kinderärzte bei Mittelohrentzündungen? Machen sie es so wie der Kinderarzt meiner Schwester und verschreiben Nurofen oder ähnliche Schmerzsäfte und bauen auf Selbstheilung oder haben eure Kinder auch Antibiotikum bekommen? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlasst und von eurer Erfahrung berichtet!

Eure Uta x

3 Gedanken zu „Unsere Erfahrung beim GP in London

  1. huhu,
    dasselbe bei uns gestern: das Ohr eiterte. Der Sohn hat seit Februar mit den Ohren zu tun.
    Februar: abwarten und Schmerzsaft
    März: schlimmer: Antibiotikum
    Ruhe
    Mai: trommelfell geplatz: kein Antibiotikum, da es dem Sohn gut geht.
    Es wird immer vom Zustand abhängig gemacht. AB nur, wenn es nicht anders geht.
    Liebe Grüße
    Sarah

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